Ö1 Hörspiel
"E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum (Teil 2)"
Ö1 Publikumspreis für "E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum".
14. März 2026, 14:00
Im zweiten Teil des Hörspielzweiteilers beschreibt die niederländische Jüdin Etty Hillesum die zunehmenden Restriktionen und Verfolgungen gegen jüdische Menschen, und sie schreibt offen über das tägliche Leben, das Unrecht und ihre eigenen Gefühle dazu. Parallel zu ihrer Außensituation beginnt sie eine intensive Reflexion über ihr Innenleben: ihre Ängste, ihr Verlangen, ihre Unruhe, ihr Suchen nach Einfachheit, Klarheit und Achtsamkeit. Sie verweigert den Opferstatus, sie möchte aktiv leben und gestalten - trotz all der äußeren Umstände.
"Die Schlechtigkeit der anderen steckt auch in uns. Und ich sehe keine andere Lösung, als sich auf sein eigenes Zentrum zu besinnen und dort all diese Fäulnis auszurotten. ... Wir können in der Außenwelt nichts verbessern, das wir nicht zuerst in uns selbst verbessert haben", schreibt Etty Hillesum am 19. Februar 1942 in ihr Tagebuch.
Im Sommer desselben Jahres nimmt sie eine Stelle im Durchgangslager Westerbork an, wo sie für den Amsterdamer Judenrat in der sozialen Versorgung der Deportierten arbeitet. Sie erlebt dort die Verzweiflung, den Schmerz und die Hoffnungslosigkeit der Menschen - und versucht, inmitten dieser Hölle eine innere Haltung der Menschlichkeit zu bewahren. Ihre Tagebücher und Briefe dokumentieren beides: das äußere Grauen und den inneren Widerstand. Etty schreibt über das Einüben von Mitgefühl, Verantwortung und innerer Freiheit: "Man kann den Krieg und all seine Auswüchse nur bekämpfen, indem man in sich selbst täglich diese Liebe befreit und ihr eine Chance gibt zu leben." Sie weiß, dass dies kein naiver Glaube ist: "Das bedeutet nicht, dass ich niemals traurig bin, dass ich niemals aufbegehre... Muss man der Weltentraurigkeit nicht dann und wann eine kleine Unterkunft verleihen?"
Am 7. September 1943 wird Etty Hillesum gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Brüdern nach Auschwitz deportiert. Das Rote Kreuz legt ihr Todesdatum auf den 30. November 1943. Ihre Tagebücher übergab sie zuvor einer Freundin mit der Bitte um Veröffentlichung. Auf ihrer letzten Notiz, die sie am 7. September 1943 aus einem fahrenden Güterwaggon geworfen hatte, stand: "Wir haben dieses Lager singend verlassen, Vater und Mutter sehr tapfer und ruhig, Mischa ebenso. Wir werden drei Tage unterwegs sein. Danke, dass ihr euch so lieb um uns gekümmert habet. Auf Wiedersehen von uns vieren. Etty."
E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum (Teil 2). Mit Lou Strenger, Roland Koch, Johannes Silberschneider, Sabine Muhar, Julius Belá Dörner, Marlena Reinwald, Marie Theres Müller, Nils Arztmann, Tilman Tuppy und Markus Meyer, Übersetzung aus dem Niederländischen: Christina Siever und Simone Schroth, Tongestaltung: Elmar Peinelt, Manuel Radinger und Simon Dünser, Regieassistenz: Susanne Hofinger, Musik: Matthias Jakisic, Bearbeitung und Regie: Elisabeth Weilenmann (ORF/hr 2025)
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