Trio Catch

PATRICK HUERLIMANN

Zeit-Ton

Das Trio Catch gratuliert Helmut Lachenmann

Auftragswerke von Sara Glojnaric, Mirela Ivicevic, Matthias Kranebitter sowie ein Klassiker von Helmut Lachenmann

Klarinette, Violoncello und Klavier: Diese nicht alltägliche Besetzung verlangen Werke von Sara Glojnaric, Mirela Ivicevic und Matthias Kranebitter, die für das Trio Catch entstanden sind. Außerdem feierte das Ensemble Helmut Lachenmanns Neunziger mit seinem Klassiker "Allegro sostenuto". Ein Abend der überraschenden Volten und clever unterlaufenen Hörgewohnheiten (Mitschnitt aus dem Berio-Saal des Wiener Konzerthauses vom 3. Juni 2025)

Catch: Da denkt man in der Musik ans Fangen und Weiterspielen musikalischer Bälle, ans Einfangen von Stimmungen - oder auch des Publikums, dessen Interesse man zu fesseln vermag. Das englische Adjektiv "catchy" kann einprägsam und eingängig bedeuten, aber auch schwierig und anspruchsvoll.

Für all das und mehr ist das Trio Catch zuständig. 2010 haben einander ursprünglich drei Musikerinnen bei der internationalen Akademie des Ensembles Modern in Frankfurt kennengelernt. Und auch wenn das Trio seit 2022 zu einem Drittel neu besetzt ist, sind die gemeinsamen Prinzipien dieselben geblieben: Die südkoreanische Pianistin Sun-Young Nam und die Schweizer Cellistin Eva Boesch bilden mit dem slowakischen Klarinettisten Marin Adámek ihr unverwechselbares Ensemble.

In der älteren Kammermusik ist diese spezielle Kombination von Schlag-, Streich- und Blasinstrument ja keineswegs häufig anzutreffen, desto öfter hingegen in jüngerer Zeit. Die besondere Freude an Werken des 20. und 21. Jahrhunderts für diese Besetzung, die Virtuosität, die diese verlangen, erprobt in Zusammenarbeit mit zahlreichen lebenden Komponistinnen und Komponisten: All das gehört zu den Markenzeichen des Ensembles.

So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass das Trio Catch bei seinem Auftritt im Berio-Saal des Wiener Konzerthauses am 3. Juni 2025 einerseits Helmut Lachenmann zu dessen bevorstehendem Neunziger hochleben ließ, dessen berühmtes "Allegro sostenuto" selbstredend zum Kernrepertoire des Trios zählt, und andererseits auch drei neuere Kompositionen aufs Programm setzte, die für das Ensemble entstanden und ihm gewidmet sind.

Mirela Ivicevic kanalisiert in "Car" ("Reiz", "Fluch", "Zauber" auf Kroatisch und Serbisch) weibliche Urkräfte aus den traditionellen Kulturen Ex-Jugoslawiens. Sara Glojnaric nimmt in "sugarcoating #2" die auf Erfolgsoptimierung zielenden Mechanismen der Popmusik aufs Korn. Und Matthias Kranebitter leitet in "whirl and pendulum" die Musik aus den kontrastierenden Bewegungsmodellen von Wirbel und Pendel her.

In Summe gewissermaßen ein "Catch-as-catch-can" der zeitgenössischen Musik, also ein klingendes Freistilringen mit dem Trio Catch - voller erstaunlicher Drehungen und Wendungen, gespickt mit verblüffenden Griffen und Kniffen.

Sendereihe

Gestaltung

  • Walter Weidringer