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"Regen für die Toten" - mehrfach preisgekrönte Doku über eine Reise nach Algerien
Mit "Regen für die Toten" (Originaltitel: "Pleuvoir sur les morts", französischsprachige Originalfassung) nähert sich die Autorin Yasmina Hamlawi einer universellen, zugleich zutiefst kulturell geprägten Frage: Wie erinnern wir unsere Toten - und wer darf dabei sprechen, weinen, handeln? Das preisgekrönte Feature wird erstmals in deutscher Übersetzung auf Ö1 ausgestrahlt.
21. März 2026, 09:05
Ausgezeichnet mit einer Lobenden Erwähnung beim Prix Europa 2025 in Berlin für die meisterhafte Klangkunst, verbindet das Feature persönliche Familiengeschichte mit einer poetischen Untersuchung von Ritual, Migration und Erinnerung.
Ausgangspunkt ist ein Satz, der mehr ist als eine Beobachtung: In Algerien ist das Begräbnis Sache der Männer, das Weinen Sache der Frauen.
Im Zentrum der Erzählung steht die achtjährige Kenza, die gemeinsam mit ihrer Mutter Yasmina von Belgien nach Algerien reist - auf der Suche nach ihren Wurzeln und nach einem verstorbenen Großvater, den sie nie wirklich kennenlernen konnte.
Für die Mutter ist diese Reise eine andere Suche. Jahre zuvor war ihr Vater aus Frankreich nach Algerien überführt worden, um seinem Wunsch entsprechend, in seiner ursprünglichen Heimat begraben zu werden. Die Tochter durfte bei diesem Begräbnis nicht dabei sein, die traditionellen Begräbnisrituale schlossen sie aus. Als Frau blieb Yasmina am Rand, unfähig, sich zu verabschieden, unfähig, dem Toten ein eigenes Lebewohl zu geben.
"Regen für die Toten" erzählt von dieser Leerstelle - und davon, wie sie gefüllt werden kann. Mutter und Tochter finden ein neues Ritual. Eines, das nicht überliefert ist, sondern entsteht.
Mit der Ausstrahlung auf Ö1 wird "Regen für die Toten" erstmals einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht.
Gestaltung: Yasmina Hamlawi
Adaption und Redaktion: Jürgen Pettinger
Ton: Martin Leitner
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