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Ambiente - von der Kunst des Reisens
Unterwegs in den französischen Seealpen.
Ambiente Spezial:
Nizza zu Füßen. Eine Wanderung entlang des Weitwanderwegs GR 52, vorbei an den südlichsten Dreitausendern der Alpen und den Felsgravuren des Tals der Wunder bis ins geschichtsträchtige Authion-Massiv.
22. März 2026, 10:05
Während sich an den Stränden der Côte d'Azur und ihrer Metropole Nizza bereits die Badegäste drängen, sollte man nur 50 Kilometer weiter nördlich Pickel und Steigeisen dabeihaben. Der Weitwanderweg GR 52, der den Mercantour-Nationalpark an der französisch-italienischen Grenze durchquert, führt noch im Juni über tiefverschneite Pässe. Georg Renöckl hat sich im Frühsommer 2025 auf eine mehrtägige Wanderung entlang des legendären Wegs gemacht.
Er beginnt seine Tour im Wildpark "Alpha", einer Forschungsstation für Wölfe, hinter der sich der Berg Mercantour erhebt. Dieser gibt dem Gebirgszug und dem 1979 gegründeten Nationalpark seinen Namen. Vorbei am malerischen Bergsee Lac de Trécolpas und an Passhöhen, über die uralte Wege ins Piemont führen, gelangt man zur historischen Pilgerherberge Madone de Fenestre. Von dort führt der Weitwanderweg zum Refuge de Nice, der ältesten Hütte des französischen Mercantour-Massivs. Wer über ausreichend alpines Können verfügt oder einen Bergführer engagiert, kann einen Umweg über den Gipfel des Gélas einplanen, den mit 3143 Metern höchsten Berg des Mercantour. Bei Schönwetter reicht die Sicht vom Gipfel bis nach Korsika.
Eine Tagesetappe weiter wartet zwischen bizarren Felszacken eine archäologische Sensation auf den Wanderer: Rund um den oft von Gewittern umtosten Mont Bégo haben prähistorische Menschen 40.000 Gravuren im Fels hinterlassen, die von späteren Generationen für Darstellungen des Teufels gehalten wurden. Heute sieht die Wissenschaft in ihnen einen Beleg für die Wanderungen indoeuropäischer Völker.
Weiter südlich zeugen zerschossene Festungsanlagen entlang der einstigen Grenze zu Italien von den Konflikten vergangener Jahrhunderte. 1945 ließ General de Gaulle die von deutschen Truppen besetzten Forts mit Panzern angreifen - auf über 2000 Metern Seehöhe. Heute erklingen auf den grünen Hängen des Authion Kuhglocken: Auf ihrer Alm verarbeiten Priscilia und Mickaël Ascenzi die Milch ihrer 45 Kühe zu aromatischem Schnittkäse.
Gestaltung: Georg Renöckl
Redaktion: Ursula Burkert
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