DPA/FRISO GENTSCH
Punkt eins
Ungesunde Körperideale, gesundes Abnehmen
Umfassende Versorgung, respektvoller Umgang: Der Kampf gegen Übergewicht, Körpernormen und Vorteile. Gast: Eva-Maria Marchard, Leitende Diätologin im Landeskrankenhaus Baden-Mödling, Landesleitung Niederösterreich bei Diätologie Austria. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
24. März 2026, 13:00
Ein paar Jahre lang sah es so aus, als ob sich gängige Körpernormen auflockern und Schönheitsideale vervielfältigen würden. Unter dem Begriff "Body Positivity" erhielten Körpervielfalt und -akzeptanz größere Aufmerksamkeit, in Social Media, der Modebranche und der Öffentlichkeit. Ein positiver Trend, der vor etwa zehn Jahren seinen Höhepunkt erreichte und, so scheint es, mittlerweile der Vergangenheit angehört. Der Trend zu jungen, dünnen, weißen Normkörpern ist zurück. Wer dieser Norm nicht entspricht, wird beschämt und hat mit lange tradierten Vorurteilen zu kämpfen.
Für schwer übergewichtige Menschen ist die Stigmatisierung besonders problematisch. Wer zu viel wiegt, sei selbst schuld, faul oder dumm. Solche abwertenden Unterstellungen haben schwerwiegende Folgen für die Betroffenen: Sie werden von Fremden beschimpft und ausgegrenzt, bei der Jobsuche benachteiligt, im Gesundheitssystem nicht ernstgenommen oder sogar diskriminiert.
Nachdem neue Medikamente zur Verfügung stehen, die das Abnehmen erleichtern können, scheint der Druck auf Menschen mit Übergewicht zu wachsen, diese Therapien in Anspruch zu nehmen - obwohl die Kosten für diese "Abnehmspritzen" nur in seltenen Fällen von der Krankenkasse übernommen werden.
Diese "Abnehmspritzen" wurden eigentlich für die Behandlung von Diabetes entwickelt, sind seit einiger Zeit aber auch für Menschen mit schwerem Übergewicht zugelassen und die Wirkstoffe können tatsächlich vielen Betroffenen helfen. Denn für Menschen mit Adipositas ist es krankheitsbeding schwer, abzunehmen. Die chronische Erkrankung bringt den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht, Heißhungerattacken und eine schlechtere Fettverbrennung sind die Folge.
Genau das ist einer der Ansatzpunkte der neuen Medikamente: Sie stabilisieren Insulinproduktion und Blutzuckerwerte. Im Gehirn wirken die Medikamente auf Appetitregulation und Belohnungssystem, was dazu führt, dass die Lust auf fett- und kohlehydratreiche Nahrung abnimmt. Außerdem wird die Magenentleerung verlangsamt, was das Sättigungsgefühl verlängert.
All das führt dazu, dass Menschen unter dieser Therapie die Nahrungsmenge stark reduzieren und damit auch die Nährstoffaufnahme. Das kann zu schädlichen Nährstoffdefiziten führen, etwa bei Proteinen, Calcium, Eisen oder einigen Vitaminen. Das gelte auch für jene, die diese "Abnehmspritzen" missbräuchlich verwenden, als normalgewichtige Personen, die die Medikamente dazu benutzen, noch schlanker zu werden bzw. ein niedriges Körpergewicht zu halten.
Im Rahmen der ORF-Schwerpunktwoche "Bewusst Gesund: "Abnehmen - Schlank um jeden Preis?" sprechen wir in "Punkt eins" über ungesunde Körperideale, über die psychischen Folgen körperlicher Diskriminierung und über gesundes Abnehmen. Welche Unterstützungsangebote brauchen Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen abnehmen möchten? Wie sieht "gesundes" Abnehmen aus? Und welche Risiken sind mit den neuen Medikamenten zur Gewichtsreduktion verbunden?
Dazu ist die klinische Diätologin Eva-Maria Marchard zu Gast bei Marlene Nowotny.
Haben Sie Fragen: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
