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Science Arena
Wird Abnehmen zur Pflicht?
These trifft auf Erfahrung
23. März 2026, 16:05
Es gab große medizinische Fortschritte in den letzten zehn Jahren in der Behandlung von Adipositas und es wurde viel berichtet über die sogenannten Abnehmmedikamente und Abnehmspritzen. Wo steht die Wissenschaft aktuell in ihren Erkenntnissen über die Langzeitwirkung dieser Medikamente? Wie erleben mehrgewichtige Menschen den gesellschaftlichen Diskurs über Körpernormen und wie sieht der Alltag in den Arztpraxen aus? Darüber diskutiert Elisabeth Scharang mit ihren Gästen in "These trifft auf Erfahrung".
Die amerikanische Philosophin Kate Manne beschreibt Fatphobie "als eine der letzten gesellschaftlich akzeptierten Formen von Diskriminierung". Sie schreibt in ihrem aktuellen Buch "Unshrinking: How to Face Fatphobia": "Fatphobie hält Menschen in einem Zustand der Selbstu?berwachung, indem sie den eigenen Körper als fehlerhaft erscheinen lässt und damit soziale Ordnung stabilisiert."
Bobby Herrmann-Thurner arbeitet seit mehr als zehn Jahren auf vielfältige Art gegen Gewichtsdiskriminierung. Die Plus-Size Expertin sagt: "Bei Adipositas hört das Solidaritätsprinzip auf. Am Ende heißt es immer: Die Dicken sollen weniger essen." Das höre sie als dicke Frau oft, egal mit welchem gesundheitlichen Problem sie in der Arztpraxis Hilfe suche. Hat sich der gesellschaftliche Druck, abzunehmen und den Körper zu reduzieren aus ihrer Sicht erhöht? "Ja, definitv."
"Durch die Abnehmmedikamente entstand ein neuer Schlankheitsimperativ."
Semaglutid heißt der Wirkstoff, der primär zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und zur Gewichtsabnahme bei Adipositas eingesetzt wird. Es ahmt das körpereigene Hormon GLP-1 nach, senkt den Blutzuckerspiegel, zügelt den Appetit und steigert das Sättigungsgefühl.
Für Dr.in Bianca-Karla Itariu, Fachärztin für Innere Medizin mit Schwerpunkt Adipositas, Stoffwechsel und Diabetes, ist über die Möglichkeiten dieser Therapien für chronisch kranke Adipositaspatient:innen ein großer Fortschritt in der Medizin gelungen. Allerdings sieht sie auch Mängel in der Versorgung der Patient:innen: "Viele bezahlen ihre Therapien selbst; das ist ein tristes Bild ." Die Medikamente kosten zwischen 200 und 500 Euro im Monat, je nach Präparat, und müssen über einen langen Zeitraum genommen werden, wenn man das abgenommene Gewicht halten möchte. Sehr oft werden die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen, weil Präparate zum reinen Abnehmen als "Lifestyle-Medikamente" gelten.
Gestaltung und Moderation: Elisabeth Scharang
Gäste:
Dr.in Bianca-Karla Itariu, Fachärztin für Innere Medizin mit Schwerpunkt Adipositas, Stoffwechsel und Diabetes und Präsidentin der Österreichischen Adipositas Gesellschaft
Bobby Herrmann-Thurner, Autorin und Mitbegründerin des Podcasts "Fat Business" , in dem nicht über, sondern mit mehrgewichtigen Menschen geredet wird.
Bücher zum Thema:
Das Gewicht unserer Körper von Bianca-Karla Itariu & Johanna Maria Brix
Fat Business von Bobby Herrmann-Thurner
Unshrinking: How to Face Fatphobia von Kate Manne
Hinweis: Am 25.3. um 20 Uhr 15 in ORF 2 diskutieren Expert:innen bei STÖCKL LIVE zum Thema "Bewusst gesund: Abnehmen - Schlank um jeden Preis?"
