WIEN MUSEUM/KLAUS PICHLER
Punkt eins
Donauinsel: Stadt, Fluss und Zufall
Freiraum, Promenade, Partylocation - Städte und ihre Flussufer. Gäste: Dipl.-Ing. Dr.nat.techn. Ulrike Krippner, Co-Kuratorin der Ausstellung "Donauinsel" im Wien Museum, Landschaftsarchitektin, Universität für Bodenkultur (Boku) & Andreas Kleboth, Architekt, Geschäftsführer Kleboth und Dollnig ZT GmbH, Mitglied der Städtebaulichen Kommission Linz. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
25. März 2026, 13:00
Über 30 Jahre Planungs- und Bauzeit gingen ins Land, bis die Donauinsel in Wien 1988 fertiggestellt werden konnte - und damit ein vielfältiger Erholungs- und Naturraum auf 21 Kilometer Länge und bis zu 250 Meter Breite. Zugleich mit der Neuen Donau erbaut, sollte die gigantische Maßnahme Wien vor drohenden Hochwasserfluten schützen - diesmal definitiv.
"Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum" heißt denn auch die neue Ausstellung im Wien Museum, die ab 26. März daran erinnert, welche verschlungenen, oft vom Zufall bestimmten Wege das Doppel-Bauwerk Donauinsel und Neue Donau gegangen war; wie viele Institutionen, Parteien, Dienststellen, Medien, aber auch die zunehmend interessierte Öffentlichkeit sich in die Diskussion um die Varianten für den Hochwasserschutz eingemischt haben. 1954 waren Teile des 2. und 20. Bezirks überflutet worden, die Planungen für die zweite große Donauregulierung hatten begonnen; bis zum offiziellen Spatenstich für die Donauinsel dauerte es noch 18 Jahre.
Was aber sollte auf den 38 Millionen Kubikmetern Aushubmaterial werden, die ab 1972 zur Donauinsel aufgeschüttet wurden? Vorschläge gab es viele: Ein Zentralbahnhof mit Shopping-Zone, ein Truppenübungsplatz, Hochhaus-Bebauung mit Donaublick, um die immensen Kosten des Projekts durch Immobilienverkauf wenigstens teilweise wieder einzuspielen. Oder doch das Gegenteil: statt Bebauung lieber Renaturierung des 21 Kilometer langen künstlichen Schotterkörpers zum Wohle der erholungsbedürftigen Wiener Bevölkerung?
"Die heutige Donauinsel war zunächst ein reines Nebenprodukt der Planungen für das Entlastungsgerinne", schreibt Ko-Kuratorin Ulrike Krippner im Begleitband zur Ausstellung. Und der langjährige Donauinselkoordinator, Bruno Domany, ergänzt im Interview: "Seit der Wiederaufbau-Enquete 1945/46 hieß das städtebauliche Leitbild Wien an die Donau', denn das fast 500 Meter breite Überschwemmungsgebiet wurde schon damals als trennende Zäsur bewertet. Budapest mit seiner bis an den Strom reichenden Bebauung galt als Vorbild", erzählt Domany. Nicht zuletzt das seit Hainburg gewachsene ökologische Bewusstsein in Teilen der Bevölkerung sorgte schließlich dafür, dass aus der Donauinsel wurde, wofür sie heute - trotz immer höher werdendem Nutzungsdruck - noch steht: ein kostenlos zugänglicher Freizeit- und Rückzugsraum, großflächig genug, um auch den sommerlichen Ansturm von mehr als 200.000 Menschen pro Tag auszuhalten.
Aber nicht nur Wien will Stadt und Fluss näher zusammenbringen. Auch in Linz haben etwa die begrünte Donaulände, mehrere Museumsbauten und ein Stadtstrand längst dafür gesorgt, die Aufenthaltsqualität am Donau-Ufer zu erhöhen.
International hat die Idee, Städte wieder mehr an lange vernachlässigte Flussläufe anzubinden, seit langem Konjunktur - um mehr Urbanität zu schaffen und im Wettstreit der Metropolen mitzuspielen. In München beispielsweise sind die innerstädtischen Isar-Auen als Rückzugs- und Party-Location mittlerweile schon fast übernutzt, in Paris hat die grüne Politik von Bürgermeisterin Anne Hidalgo dazu beigetragen, dass Einheimische wie Touristen an den Ufer-Straßen entlang der Seine - jahrzehntelang als Autostraßen genutzt - nun wieder spazieren können.
Alexander Musik diskutiert mit Ulrike Krippner, Landschaftsarchitektin und Co-Kuratorin der Ausstellung "Donauinsel", und dem Linzer Architekten und Stadtplaner Andreas Kleboth über den Werdegang des Ausnahme-Projektes Wiener Donauinsel und Erfolge und Rückschritte des stadtplanerischen Konzepts "Stadt am Fluss" in Österreich und international.
Wie immer sind Sie eingeladen mitzudiskutieren: Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79; E-Mails an punkteins(at)orf.at
Wie kann es gelingen, dass eine Stadt sich dem Fluss "zuwendet"? Wie erleben Sie die Nutzung der Uferräume in Ihrer Stadt? Wie wichtig ist Ihnen als Wienerin oder Wiener die Donauinsel und ihr Freizeitwert? Ist es angesichts des angespannten Wohnungsmarkts nicht denkbar, große Freiräume gerade entlang der Flussufer wie die Donauinsel doch zu bebauen?
Service
Service:
"Die Donauinsel - 21 Kilometer Freiraum"
Ort: Wien Museum, Karlsplatz 8, 1040 Wien
Zeit: 26. März - 30. August 2026
Sendereihe
Gestaltung
- Alexander Musik
Playlist
Untertitel: Johann Strauss II
Titel: The Blue Danube
Ausführende: Spike Jones & His City Slickers
Länge: 02:18 min
Label: RCA Victor
Untertitel: Vashti Bunyan
Titel: Rainbow River
Ausführende: Vashti Bunyan
Label: Spinney
Untertitel: Rachel Portman
Titel: ask the river
Ausführende: Rachel Portman
Label: Node Records
