Du holde Kunst
Echte Nachdichtung einer scheinbaren Übersetzung
Dichten und Nachdichten: Rainer Maria Rilke übersetzt Elizabeth Barrett-Browning. Silvia Meisterle liest "Sonette aus dem Portugiesischen".
31. Mai 2026, 08:15
Die Qualität einer Lyrik-Übersetzung als "literarische Antwort auf einen bestehenden Text" (Ulrike Draesner) hängt von zwei nicht einfach zu vereinenden Eigenschaften ab, nämlich einerseits möglichst nahe am Original zu sein, andererseits aber völlig unabhängig von diesem als Dichtung bestehen zu können. Dies trifft auf Rainer Maria Rilkes Übertragung der "Sonnets from the Portuguese" von Elizabeth Barrett-Browning (1806-1861) zu. Barrett-Browning schrieb diese Liebesgedichte an ihren Mann Robert Browning und tarnte sie bei ihrer Veröffentlichung 1850 viktorianisch züchtig als - ja! - Übersetzungen. Das portugiesische Original ist also fiktiv. Nicht so Rilkes deutsche Nachdichtung, sie entstand im Frühling 1907 auf Capri. Zu den Gedichten ist Musik von Robert Schumann, Frédéric Chopin, Edward Elgar, Claudio Monteverdi, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt, Germaine Tailleferre und Gabriel Fauré zu hören.
