Am Puls - Gesundheit und Medizin
Eingebildete Kranke
Kinder mit Down-Syndrom in der Praxis ++ Slow-TV für Menschen mit Demenz ++ Mehr Bewegung im Büroalltag ++ Live Am Puls - Sprechstunde: Hypochondrie | Zu Gast: Johannes Rother, Psychologe; Niki "Tricky Niki" Sedlak, Entertainer und selbst diagnostizierter Hypochonder| Moderation: Sonja Watzka | Redaktion: Ronny Tekal | Anrufe 0800 22 69 79 | E-Mail: ampuls@orf.at
21. Mai 2026, 16:05
Hypochondrie ist keine Einbildung
"Der Hypochonder von Zimmer 202 ist verstorben...". "Jetzt übertreibt er aber!" Die Witzkiste zum Thema Hypochondrie ist geräumig und bietet ausreichend Platz für Hohn und Spott. Doch was in der breiten Bevölkerung für Schmunzeln sorgt, ist für die Betroffenen oft mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Denn die empfundenen Symptome sind echt. Die "Krankheitsangst" ist im internationalen Diagnosekatalog ICD-11 den Zwangsstörungen zugeordnet und kann überaus belastend sein. Und während der von ärztlicher Seite ausgesprochene Satz "Ihnen fehlt nichts!" bei den meisten Patienten für Beruhigung sorgt, nagt die Sorge bei hypochondrischen Menschen unentwegt weiter. Das ständige Kontrollieren von Körperfunktionen und die Suche nach der Ursache vermeintlich lebensbedrohlicher Symptome kann zur Obsession werden. Mit "Dr. Google" und "Prof. Dr. Chat GPT" wurde die Krankheitsangst noch um den Aspekt der Cyberchondrie erweitert - ein modernes Phänomen, bei dem übermäßige Internetrecherchen zu gesundheitsbezogenen Themen als Katalysator dienen, Angst und Stress zu verstärken.
Die Betroffenen konsumieren oft und gerne ärztliche Konsultationen und gelten als treue, mitunter auch teure Kunden des Gesundheitssystems. Denn die Medizinerinnen und Mediziner sehen sich, alleine schon aus haftungsrechtlichen Gründen genötigt, die geschilderten Symptome abzuklären. So dauert es oft viele Jahre, bis die Erkrankung als solche erkannt wird.
Sonja Watzka spricht mit ihren Gästen über die Spielarten Hypochondrie, zwischen berechtigter Vor-Sorge und überzogenen Sorgen um die Gesundheit.
Gäste:
Johannes Rother, klinischer Psychologe, Phobius Phobiezentrum Wien
Niki "Tricky Niki" Sedlak, Comedian, Entertainer, Bauchredner und Hypnosespezialist, hat sich mit dem Bühnenprogramm "Hypochondria" selbst als Hypochonder diagnostiziert
Kinder mit Down-Syndrom in der Praxis
Routinemäßige Gesundheitschecks in der Kinderarztpraxis gehören zum Großwerden dazu und sind bei vielen jungen Patientinnen und Patienten nicht immer sonderlich beliebt. Kinder mit Down-Syndrom müssen in ihren ersten Lebensmonaten nicht nur zahlreiche Untersuchungen, sondern oft auch invasive Eingriffe über sich ergehen lassen. Diese Maßnahmen sind lebensnotwendig und medizinisch erforderlich. Dennoch hinterlassen sie Spuren. Die klinische Psychologin Karin Lebersorger war maßgeblich am Aufbau der Down-Syndrom Spezialambulanz in der Klinik Favoriten in Wien beteiligt und hat beobachtet, dass die Betroffenen auch noch Jahre später darunter leiden. Unverarbeitete Traumatisierungen können, so die Expertin, im Körpergedächtnis schlummern und durch Trigger wieder ausgelöst werden. Norbert Peter hat sich angesehen, wie Eltern oder medizinisches Personal damit umgehen und traumatische Erfahrungen so gut wie möglich reduzieren können.
Interviewpartnerin:
Karin Lebersorger
Klinische- und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin, Spezialisierung auf die Arbeit mit Menschen mit Trisomie 21
Slow-TV für Menschen mit Demenz
Vor 2 Jahren gab es im ORF einen Pilotversuch für demenzerkrankte Personen, bei dem sogenanntes Slow-TV sendungsbegleitend online abrufbar war. Gezeigt wurde das gemächliche Treiben von Giraffen, Elefanten und Löwen in den Gehegen des Tiergartens Schönbrunn. Solche Videos können dabei helfen, positive Emotionen und vertraute Wahrnehmungen wieder zu erleben. Denn mit dem Fortschreiten der Demenz-Erkrankungen schwinden immer mehr Fähigkeiten, insbesondere das Kurzzeitgedächtnis. Erlebnisse aus der Vergangenheit, wie ein Zoobesuch in der Kindheit, können weiterhin vertraute Eindrücke hervorrufen. Nun startet, unter fachlicher Begleitung des Vereins Promenz, ab 15.6. online das Slow-TV-Projekt "Schau-Fenster". Am Puls stellt vor.
Rubrik "Eine Frage noch"
Wie bekomme ich mehr Bewegung in den Büroalltag?
Die Antwort kommt von Johanna Stückler, Fachärztin für Arbeitsmedizin,
Abteilungsvorständin
AUVA-Rehabilitationsklinik Tobelbad, Steiermark
Interview: Norbert Peter
