NANCY HOROWITZ
Das Ö1 Konzert
Marin Alsop am Pult des RSO
ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigentin: Marin Alsop; Maria Ioudenitch, Violine. John Adams: Neues Werk (ÖEA); Samuel Barber: Konzert für Violine und Orchester op. 14; Maurice Ravel: Daphnis et Chloé. Fragments symphoniques, deuxième série; Richard Strauss: Don Juan, Tondichtung op. 20 (aufgenommen am 30. April im Großen Konzerthaussaal Wien in 5.1 Surround Sound)
21. Mai 2026, 19:30
Eigentlich hat alles vielversprechend begonnen: Im Frühling 1939 erhält der junge Komponist Samuel Barber einen Kompositionsauftrag vom Industriellen Samuel Fels, was nicht nur einen großen Karriereschritt bedeutet, sondern auch eine stattliche Summe von 1.000 Dollar mit sich bringt. Ein Violinkonzert soll es werden, geschrieben für Iso Briselli, den hochbegabten Adoptivsohn des Fabrikanten - und außerdem Freund und Studienkollegen von Samuel Barber.
Trotz der Unterbrechung durch den Kriegsbeginn stellt Barber im Oktober die ersten beiden Sätze des Konzerts fertig: lyrische und hoch emotionale Musik mit dramatischen Akzenten, die europäische Tradition und amerikanische Klangsprache hörbar macht. Doch Briselli ist nicht ganz zufrieden: Die beiden Sätze sind ihm nicht virtuos genug - Barber solle doch den dritten Satz deutlich anspruchsvoller komponieren. Und das tut er auch: Im atemlosen Finalsatz fegt die Solovioline 110 Takte ohne Pause durch die Musik und verlangt dabei dem Solisten nicht nur technische Brillanz, sondern auch beträchtliches Durchhaltevermögen ab.
Zu viel für Iso Briselli: Mit diesem schwierigen Schlusssatz bleibe ihm zu wenig Zeit zur Vorbereitung für die Uraufführung im Jänner, der letzte Satz passe auch nicht zu den ersten beiden und überhaupt sei das Konzert mit zu wenig Gefühl für das Soloinstrument komponiert. Fels und Briselli treten von den Aufführungsplänen zurück, das ganze Unterfangen droht zu scheitern.
Doch dann springt der Geiger Albert Spalding ein: Ein Jahr nach dem ursprünglich geplanten Termin bringt er Barbers Violinkonzert zur Aufführung und beschert dem jungen Komponisten damit einen triumphalen Erfolg. Der Beziehung zwischen Barber und Briselli hat das Beinahe-Fiasko übrigens nichts anhaben können - sie bleiben auch danach im freundschaftlichen Kontakt.
Eine langjährige Freundschaft verbindet den US-amerikanischen Komponisten John Adams mit Marin Alsop, der Ehrendirigentin des ORF RSO Wien. Sie sei eine der ganz wenigen Dirigentinnen, die seine Musik wirklich verstehen könnten, sagt John Adams - "she gets me". In seinen Kompositionen gelingt es Adams, die musikalische Vielfalt seiner Heimat zum Ausdruck zu bringen. Er verbindet die Strömungen des Ostens und des Westens, die Stränge des Transzendentalismus und das Erbe der verschiedenen Beat-Generationen. Der Fokus auf Rhythmus und rhythmische Modulationen ist ganz typisch für Adams.
So auch in "The Rock You Stand On", das Marin Alsop gewidmet ist und im Wiener Konzerthaus seine österreichische Erstaufführung feiert: ein zehnminütiger Essay aus kraftvollen, pulsierenden Rhythmen und synkopischen Figuren, die durch die verschiedenen Instrumentengruppen wandern und dem Orchester einen gewissen "Big Band"-Sound verleihen.
Der Titel, "The Rock You Stand On", soll dabei nichts anderes "als vielleicht auf die Eigenschaften - Loyalität, Entschlossenheit, Hingabe - hinweisen, die Marin Alsop für mich so besonders machen", so John Adams. Transatlantische Freundschaft, musikalisch erzählt ...
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Sendereihe
Gestaltung
- Daniela Fietzek
