Im Fokus - Religion und Ethik
Revolution in Canterbury
Mit diesem Thema im Fokus: Eine Frau wird Erzbischof
25. März 2026, 16:05
Am 25. März wird Sarah Mullally offiziell in ihr Amt als neue Erzbischöfin von Canterbury eingeführt. Sie ist die erste Frau in dieser Funktion - seit der Gründung des Bistums im Jahr 597 - und die erste Frau im höchsten geistlichen Amt der Kirche von England (neben dem Erzbischof von York). An der Spitze der Kirche als "supreme governor" steht seit dem Tod von Queen Elizabeth II. wieder ein Mann - König Charles III.
Sarah Mullally kommt ursprünglich aus der Krankenpflege - und hatte es bis zur "Chief Nursing Officer" gebracht, eine zentrale Führungsfunktion im englischen Gesundheitssystem. 2005 wurde sie in Anerkennung ihrer Leistungen in der Krankenpflege und in der Geburtshilfe als "Dame Commander" des "Order of the British Empire" geadelt. Theologie hat sie dann berufsbegleitend studiert. Zur Diakonin wurde sie im Jahr 2001 geweiht, ein Jahr später zur Priesterin. Seit 2015 ist sie Bischöfin - zuletzt als Oberhirtin der Diözese London.
Als Erzbischöfin von Canterbury steht sie jetzt auch als "erste unter Gleichen" an der Spitze der weltweiten "Anglican Communion". Die Spannung innerhalb der anglikanischen Kirchenfamilien wird ihre Ernennung weiter verschärfen. Die Zulassung von Frauen zum Weiheamt ist nach wie vor nicht unumstritten - in England selbst, aber vor allem auch in Afrika.
Am Thema Homosexualität scheiden sich dort überhaupt die Geister: Für die einen ist sie noch immer eine schwere Sünde, in einigen Teilen der anglikanischen Kirche gibt es hingegen bereits offen homosexuell lebende Bischöfinnen und Bischöfe.
Zur Kirche von England selbst gehören nicht einmal mehr die Hälfte der 60 Millionen Engländer:innen. Eine Million Menschen besucht noch regelmäßig den Gottesdienst - gemessen an der Gesamtbevölkerung liegt sie damit deutlich schlechter als die römisch-katholische Kirche in Österreich. - Gestaltung: Markus Veinfurter
