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Radiokolleg
Wie klingt das Mittelalter?
Vergangene Ton-Spuren
30. März 2026, 09:45
Reenactment macht Geschichte erlebbar. Doch Musik performen, die längst vergangen ist? Es braucht mehr als historische Instrumente und passende Noten, um diese Klangwelten lebendig werden zu lassen. Dem will die historisch informierte Aufführungspraxis nachspüren: wie Musik gemacht, wo sie aufgeführt und wie sie gehört wurde.
Wie hat Musik aus dem Mittelalter geklungen und wie sollten diese Werke interpretiert werden? Darüber wird seit Anfang des 20. Jahrhunderts diskutiert, als diese historische Epoche in die Aufmerksamkeit von Musikwissenschaftler und Musikwissenschaftlerinnen, Musiker und Musikerinnen rückt. Erste Faksimiles historischer Dokumente aus dem 14. und 15. Jahrhundert eröffnen wertvolle Einsichten wie die Trienter Codices: eine Handschriftensammlung mit mehr als 1 500 Kompositionen von geistlicher und weltlicher Musik des Spätmittelalters. Entstanden sind diese ersten historischen Niederschriften in Klöstern und ähneln kaum den heute bekannten Notenschriften. Diese im 9. Jahrhundert aufkommenden, vielfältigen Notenzeichen, Neumen genannt, stellen nicht nur einzelne, sondern auch mehrere Noten dar und geben Hinweise zur Melodie - aber nicht zu Rhythmus oder Tempi eines Stückes. Aber auch abseits der Klöster wird musiziert. Der Aufführungsort, der Anlass, die Musiker und deren gesellschaftliche Stellung sind daher wichtige Puzzleteile, um die musikalische Praxis des Mittelalters nachzuvollziehen.
Autorin: Barbara Volfing
