ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Radiogeschichten
Sprachliches Wildwasser
"Oskar Fiala und das Prinzip der kleinsten Wirkung" von Oswald Egger. Es liest Rafael Schuchter.
31. März 2026, 11:05
Georg-Büchner-Preisträger Oswald Egger, Wortakrobat in Lyrik und Prosa, widmet sich in seinem jüngsten, teils fiktionalen, teils dokumentarischen Buch dem Denken des ruhelos wandernden jungen Schriftstellers Oskar Fiala, der am 09. August 1912 von Polizisten im Hemd aufgegriffen und in eine psychiatrische Klinik in Straßburg verbracht wurde. Der historisch verbriefte Fiala, 1883 in Leipzig als Sohn eines tschechischen Schneiders geboren, litt unter einer dissoziativen Störung. Während einer so genannten Fugue verliert der Betroffene jede Erinnerung an sich selbst, bildet eine oder mehrere neue Identitäten aus und verlässt auch physisch seine gewohnte Umgebung. Die vielen Erlebnisinhalte des in halb Europa Herumwandernden vermengen sich, schieben sich ineinander und lösen Zeit- und Kausalzusammenhänge auf. Ihre sprachliche Formulierung fördert eigene Welten zutage, "in episodisches, springlebendiges Hüpfen in Wildwassern der Sprache", wie Oswald Egger in seinem Editorial schreibt. Zu hören ist ein Ausschnitt, in dem Fiala eine Mahlzeit und eine Wendeltreppe zu wuchernden Panoramen geraten.
Service
Oskar Egger, "Oskar Fiala und das Prinzip der kleinsten Wirkung", Suhrkamp Verlag
