Zeit-Ton
"Unjust Malaise" von Julius Eastman
Afroamerikanische Minimal Music. Die schillernden Welten des Julius Eastman
5. April 2026, 20:58
"Unjust Malaise", also in etwa: Ungerechte Not: Ein treffender Titel für ein Album, das 2005 auf drei CDs zum ersten und bisher einzigen Mal die Hauptwerke von Julius Eastman versammelt, bei denen er selbst beteiligt war. Eastman (1940-1990) ist der vielleicht unbekannteste Künstler der Minimal Music, und dabei arbeitete er mit Größen wie Morton Feldman und war für einen Grammy nominiert. Der afroamerikanische, offen schwule Komponist, Pianist und Sänger, der auch Teil der experimentellen Pop-Szene New Yorks war, und seine kraftvolle, ebenso sarkastische wie minutiös durchgearbeitete Musik werden seit einigen Jahren wiederentdeckt. Eine Spurensuche.
1968 kam Julius Eastman an die State University Of New York, wo er Teil einer Gruppe von Kunstschaffenden um Morton Feldman wurde. Kurz darauf arbeitete er mit Pauline Oliveros und war an Aufführungen von Werken von John Cage beteiligt. Eastman sang für Meredith Monk und eine von Pierre Boulez dirigierte Einspielung brachte ihm gar eine Grammy-Nominierung ein.
Doch ab den mittleren 1980er Jahren wurde sein Leben unstetig. Bei seiner Delogierung gingen große Teile seines Notenarchivs verloren, es folgten Jahre der Obdachlosigkeit und er starb praktisch unbemerkt.
Eastman war einer der ersten Schwarzen überhaupt in der Minimal Music. Flamboyant und konfrontativ ging es ihm darum, seine "Unsichtbarkeit" sichtbar zu machen und er reflektierte dies in Stücken wie "Evil Nigger" oder "Gay Guerilla".
Seit einigen Jahren findet eine Wiederentdeckung von Julius Eastman statt, etwa wenn es um die Diskussion um afroamerikanische Kreative in der klassischen und zeitgenössischen Musik geht.
In diesem Zeit-Ton hören wir in das Album "Unjust Malaise" mit bisher kaum gespielten Stücken wie das repetitive "Stay On It", einem der ersten Werke Eastmans von 1973, das Improvisation und Pop-Ästhetiken verbindet. Dann zwei Stücke, die Eastman auch dirigierte: ein Blechbläser-Orchester in "If You're So Smart, Why Aren't You Rich?" (1979) und eine quasi Vorwegnahme von Techno mit "The Holy Presence of Joan d'Arc" (1981) für ein zehnköpfiges Cello-Ensemble.
Zusammen mit den ausführlichen Linernotes des damals mit Eastman befreundeten Komponisten und "Village Voice"-Journalisten Kyle Gann ist "Unjust Malaise" eine der wesentlichen Veröffentlichungen zu Julius Eastman.
