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Radiokolleg
In Würde altern (4)
Sorge tragen
23. April 2026, 09:05
Mit zunehmendem Alter rücken organisatorische und existenzielle Fragen der Sorge in den Mittelpunkt. Achtsamkeit bedeutet, Selbstständigkeit zu respektieren und zugleich Unterstützung anzubieten. Doch: Wie viel Eigenständigkeit ist möglich, wie viel Schutz nötig? Und wie wird das angesprochen? Zwischen Fürsorge und Bevormundung verläuft eine feine Linie. Auch strukturell. Alleinstehende Menschen sind auf verlässliche Versorgung angewiesen. Vereinsamung ist eine reale Gefahr. Ob Sorge als Last empfunden wird oder als Ausdruck von Verbundenheit, hängt von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ebenso ab wie von der eigenen Haltung. Pflegekräfte haben ein Recht auf Anerkennung und tragfähige Arbeitsbedingungen, alternde Menschen auf wertschätzenden Umgang und Rücksichtnahme auf ihre Bedürfnisse. Kann das gelingen? Der öffentliche Raum ist Teil dieser Prüfung. Eine zu kurz geschaltete Ampel kann Stress erzeugen, eine unübersichtliche digitale Anwendung ausgrenzen. Technik kann entlasten - durch Assistenzsysteme oder Telemedizin - und zugleich überfordern, wenn sie Tempo und Anpassung verlangt. Und während urbane Räume Infrastruktur und spezialisierte Angebote bereithalten, drohen im ländlichen Raum Versorgungsengpässe. Ob wir für das Alter gerüstet sind, entscheidet sich nicht allein an Budgets und Bettenzahlen. Es zeigt sich im Umgang miteinander und überall dort, wo Verletzlichkeit sichtbar werden darf im Alltag von alternden Menschen.
Gestaltung: Barbara Matzner-Volfing
Service
Radiokolleg-Podcast
Literatur:
Simone de Beauvoir: Das Alter, Rowohlt Taschenbuch
Pat Thane (Hrsg.): Das Alter - eine Kulturgeschichte, Primus
Gertrud Backes, Wolfgang Clemens: Lebensphase Alter - eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Altersforschung, Beltz Juventa
Thomas Rentsch (Hrsg.): Gutes Leben im Alter - die philosophischen Grundlagen, Reclam Taschenbuch
Michael Lehofer: Alter ist eine Illusion - wie wir uns von den Grenzen im Kopf befreien, Gräfe und Unzer
Peter Scheer: Lust aufs Alter. Unkonventionelle Gedanken über das Älterwerden, Falter Verlag
Marc Augé: Zeit ohne Alter - eine Ethnologie des Ich und des Älterwerdens, Turia und Kant
Gert Dressel, Johanna Kohn, Jessica Schnelle (Hrsg.): Erzählcafés - Einblicke in Praxis und Theorie, Beltz Juventa
Marina Kojer im Gespräch mit Gert Dressel: Palliative Geriatrie ist für mich Lebenssinn geworden, Palliative Geriatrie in der Praxis, Jubiläumsband, der Hospiz Verlag
Egon Biechl: Der Chamäleon, Mails & More
Links:
Achtsamer 8.
Erzählcafé - Zuhören und Erzählen in der Josefstadt
Ina Biechl
Plaudern in der Bücherei, Wien
Verein Sorgenetz
Projekt "Erzählen über Sorgekulturen am Lebensende (SoKuL)
Verein Wohnen ohne Alterslimit
Daniela Martos
Expert:innen dieser Radiokollegreihe:
Gert Dressel, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien sowie beteiligt im Verein Sorgenetz und bei der Initiative "Achtsamer 8."
Katharina Heimerl, Public Health Expertin und assoziierte Professorin am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien
Franz Kolland, Soziologe Gerontologe und Leiter des Kompetenzzentrums für Gerontologie und Gesundheitsforschung in Krems
Ingrid Marth, pensionierte dipl. Gesundheits- und Krankenpflegerin
Daniela Martos, Geschäftsführerin Verein Sorgekultur und Initiatorin "Achtsamer 8."
Ursula Staudinger, Psychologin, Gerontologin und Rektorin der Technischen Universität Dresden
Ursula Wagner, Verein Wohnen ohne Alterslimit
Anna Wanka, Soziologin und Gerontologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Goethe Universität Frankfurt
