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Radiokolleg
In Würde altern (4)
Sorge tragen
23. April 2026, 09:05
Mit zunehmendem Alter rücken organisatorische und existenzielle Fragen der Sorge in den Mittelpunkt. Achtsamkeit bedeutet, Selbstständigkeit zu respektieren und zugleich Unterstützung anzubieten. Doch: Wie viel Eigenständigkeit ist möglich, wie viel Schutz nötig? Und wie wird das angesprochen? Zwischen Fürsorge und Bevormundung verläuft eine feine Linie. Auch strukturell. Alleinstehende Menschen sind auf verlässliche Versorgung angewiesen. Vereinsamung ist eine reale Gefahr. Ob Sorge als Last empfunden wird oder als Ausdruck von Verbundenheit, hängt von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ebenso ab wie von der eigenen Haltung. Pflegekräfte haben ein Recht auf Anerkennung und tragfähige Arbeitsbedingungen, alternde Menschen auf wertschätzenden Umgang und Rücksichtnahme auf ihre Bedürfnisse. Kann das gelingen? Der öffentliche Raum ist Teil dieser Prüfung. Eine zu kurz geschaltete Ampel kann Stress erzeugen, eine unübersichtliche digitale Anwendung ausgrenzen. Technik kann entlasten - durch Assistenzsysteme oder Telemedizin - und zugleich überfordern, wenn sie Tempo und Anpassung verlangt. Und während urbane Räume Infrastruktur und spezialisierte Angebote bereithalten, drohen im ländlichen Raum Versorgungsengpässe. Ob wir für das Alter gerüstet sind, entscheidet sich nicht allein an Budgets und Bettenzahlen. Es zeigt sich im Umgang miteinander und überall dort, wo Verletzlichkeit sichtbar werden darf im Alltag von alternden Menschen.
Gestaltung: Barbara Matzner-Volfing
