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Weg mit der Romantik!
Puccinis "Turandot" und die Gozzi-Renaissance der 1920er
23. April 2026, 14:05
Die schlüssige Integration der drei commedia-dell'-arte-Figuren Ping-Pang-Pong in Giacomo Puccinis vor 100 uraufgeführte Oper "Turandot" war einer der Stolpersteine bei der Entstehung des Werkes. Dabei macht gerade diese Bezugnahme auf die theatralische Vorlage, das Sprechstück von Carlo Gozzi, Puccinis opus ultimum zum Teil einer Strömung im Musiktheater rund um 1920: im Rückgriff auf die Masken- und Typen-Komödie ließ sich das als überkommen empfundene "Romantische" leicht über Bord werfen! Schöne Beispiele sind die Puccini vorangehende "Turandot"-Vertonung des grundsätzlich innovativen Ferruccio Busoni und "Die Liebe zu den drei Orangen", das knallbunte Nonsens-Spiel mit Musik des unbeschwert-draufgängerischen Sergej Prokofjew. Als einer der italienischen "Modernisten" wurde, obwohl er so gerne auf Barockes und Klassisches zurückgriff (circa auf Spuren von Igor Strawinsky und dessen "Pulcinella"), Alfredo Casella gesehen. Er steuerte zur Gozzi-Welle "La donna serpente" bei. Kein Zufall also, dass der junge Hans Werner Henze, als er der Intellekt-lastigen Avantgarde der 1950er Jahre ein sinnlich-theatrales Gegenstück vor die Nase setzen wollte, ebenfalls zu Carlo Gozzi griff: "Il Re Cervo" / "König Hirsch" hat das breite Publikum, auf das Henze abzielte, nie erreicht, ist aber ebenso in die Opernannalen des 20.Jahrhunderts eingegangen.
Sendereihe
Gestaltung
- Chris Tina Tengel
