Spielräume
Helle und erhellende Lieder aus dunklen Zeiten
Musik aus allen Richtungen mit Mirjam Jessa. Die österreichische Sopranistin Ethel Merhaut und die holländische Diseuse Patricia Beysens
29. April 2026, 17:30
Auch wenn Ethel Merhaut und Patricia Beysens einige Jahrzehnte Lebensjahre trennen, so eint die beiden Sängerinnen doch dasselbe Faible für die deutschen Lieder der Zwischenkriegszeit, jene "leuchtenden Jahre" (Mascha Kaléko) nach dem 1. Weltkrieg bis 1938, in denen Varieté, Kabarett und Kleinkunst blühten wie kaum je davor oder danach, vor allem in Berlin und Wien. Beide Sängerinnen haben mehrere Alben mit diesem Repertoire veröffentlicht.
Auf ihrer aktuellen CD "Fantasie von übermorgen" geht Patricia Beysens mit den Komponisten Paul Ben-Haim, Paul Dessau, Kurt Weill und Stefan Wolpe quasi den nächsten Schritt, jenen ins unfreiwillige Exil. Schmerzhaft wird ihre Suche nach neuer Identität so fern der einstigen Heimat spürbar. Ihre Gedanken zu Krieg, Exil und Politik haben nichts an Relevanz verloren, ganz im Gegenteil. Diese Sammlung vergessener Werke stellt ein bedeutendes kulturelles Erbe dar.
Ethel Merhaut verleiht vor allem bekannten deutschen Schlagern der 20er- und 30er-Jahre behutsam ein neues Outfit und erinnert doch an den Stil der Zeit. Ihre klassisch ausgebildete Stimme setzt sie virtuos variationsreich ein - von der Soubrette bis zum Sprechgesang. Die Geschichte der Autoren (es gibt auch eine Autorin) und Interpret:innen der Lieder zu erzählen bedeutet, dunkelste Zeitgeschichte zu vergegenwärtigen. Denn weder Prominenz noch Erfolg oder Geld bewahrte Künstlerinnen und Künstler vor der Vernichtungsmaschinerie der Nazis.
Ethel Merhaut widmet sich am 30. Mai im Rahmen der "Jewish Weekends" in St. Pölten in der ehemaligen Synagoge zusammen mit Belush Korenyi (Klavier) und Aliosha Biz (Geige) jiddischen Chansons der Zwischenkriegszeit in ihrem Programm "Tif vi di Nakht".
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Ehemalige Synagoge|Jewish Weekends
YouTube Patricia Beysens
