Spielräume
Miles Davis und Joe Zawinul
Musik aus allen Richtungen mit Andreas Felber. East St. Louis trifft Wien-Erdberg: Schlaglichter auf die ungewöhnliche Freundschaft von Trompeter Miles Davis und Keyboarder Joe Zawinul
30. April 2026, 17:30
Im Februar bzw. August 1969 war der aus Wien-Erdberg stammende Pianist und Keyboarder Josef "Joe" Zawinul maßgeblich an den wegweisenden, in New York City aufgenommenen Alben "In a Silent Way" und "Bitches Brew" beteiligt, mit denen Trompeter Miles Davis die Ära des Rock-Jazz einläutete.
So weit, so bekannt. Was nicht alle wissen: Zawinul und Davis hatten einander schon zehn Jahre zuvor, kurz nach der Übersiedlung des Wieners in die USA, kennen und schätzen gelernt. Und damals, anno 1959, gab der junge, bereits als Begleiter von Sängerin Dinah Washington arbeitende Wiener dem berühmten - und darob ziemlich erstaunten - Trompeter erst einmal einen Korb: "'Nein es ist nicht die Zeit dafür. Ich habe einen guten Job, ich lerne viel, ich habe keine Eile. Aber wenn es geschehen soll, dann werden wir eines Tages zusammen spielen, und möglicherweise machen wir Geschichte. Das hat ihm imponiert", so schilderte Zawinul Jahre später seine Antwort auf das Engagement-Angebot von Davis, nachzulesen in Gunther Baumanns Buch "Zawinul - Ein Leben aus Jazz". (S. 49)
Die Worte sollten sich als prophetisch erweisen: Joe Zawinul, der 1966 mit seinem warmen Wurlitzer-E-Piano-Sound im Rahmen seines Hits "Mercy, Mercy, Mercy" die erneute Aufmerksamkeit von Miles Davis auf sich zog, lieferte diesem Ende der 1960er Jahre auch Kompositionen wie "Directions", Pharoah's Dance" und das titelgebende, Ambient-getönte "In A Silent Way". Und doch blieb er ein ungewöhnlicher Partner: Der Wiener Tastenmeister schlug Davis' Angebot aus, mit diesem auf Tournee zu gehen. Und als er selbst anno 1970 das Album "Zawinul" aufnahm, verzichtete er darauf, den dafür schon bereitstehenden Trompeter als Sideman zu engagieren. Zawinul bat Davis nur, die Liner Notes zu schreiben - was dieser tatsächlich tat.
Miles Davis und Joe Zawinul, die auch ein Faible für den Boxsport teilten, blieben nichtsdestotrotz bis zu Davis' Tod 1991 befreundet.
