Stimmen hören

Bayreuther Wagner-Freuden

Der „Ring“ 1960/1: fabelhaft besetzt, dirigiert von Rudolf Kempe

Immer wieder taucht die Frage auf: welcher ist „der beste“ (komplette) „Ring des Nibelungen“ zum Nachhören? Nun gibt die Aufnahmegeschichte bei Richard Wagners monumentaler Tetralogie zwar einiges her, aber da Melomanie so gerne Hand in Hand mit Nostalgie auftritt - und durchgehend „große“ Stimmen natürlich Freude machen! -, sind die am häufigsten genannten Versionen allesamt historisch. Neben dem gewissermaßen außer Konkurrenz laufenden einzigen Wiener Plattenstudio-„Ring“ („Solti-Ring“) tauchen aus dem Dunkel der Vergangenheit Live- Dokumente mit den Dirigenten Wilhelm Furtwängler und Hans Knappertsbusch auf, Wagnerianern alten Schlages. (Auf die sich aber Daniel Barenboim und Christian Thielemann gerne beziehen.) Auf den ersten Blick als Außenseiter tritt Rudolf Kempe an, in Bayreuth 1960/1, aber Kempe (1910 – 1976), erweist sich als mehr denn nur Kompromisskandidat, schon wegen der fabelhaften Besetzung, unter anderem mit Birgit Nilsson und Astrid Varnay, Hermann Uhde und Jerome Hines. Mehr noch, die Aufnahme lenkt den Blick auf den Dirigenten selbst, dessen Opernlaufbahn bald nach dem Zweiten Weltkrieg in Dresden begann und ihn via München ans Londoner Covent-Garden-Opernhaus und an die New Yorker MET führte. Denn Kempe, dem es bei allen Meriten nie um Publicity ging, war ein Interpret mit analytischer Intelligenz, kompletter Metierbeherrschung und sportiver Energie, dabei ohne Ehrgeiz, die Tradition über den Haufen zu werfen - eine ziemlich einmalige Mischung!

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel