Apropos Klassik

Ein Meister ohne Lobby

Der stets unterschätzte Rudolf Kempe (zum 50. Todestag)

Warum der Name des Dirigenten Rudolf Kempe heute weniger "klingt" als der seiner zeitlich etwa parallel und mit vergleichbarer Mentalität tätigen Kollegen Rafael Kubelik oder Wolfgang Sawallisch, ist unerklärlich. Der als qualifizierter Instrumentalsolist aus dem Gewandhausorchester Leipzig rasch zum Dirigieren wechselnde Dresdner von Jahrgang 1910 "schulterte" ab 1949 die dortigen Opernagenden, wechselte dann an die Bayerische Staatsoper nach München, um anschließend mit dem Londoner Covent-Garden-Opernhaus als Basis auch an der New Yorker MET zu reüssieren. Danach schwenkte Rudolf Kempe aufs Konzertdirigieren um; an Klangkörper in London, Zürich und München war er fix gebunden. Kempe am Pult war ein optisch absolut präsentabler Vollprofi, ein Partituren-Durchdringer, dessen Interpretationen gesanglichen Schwung und klangliche Trennschärfe, rhythmischen Biss und dramaturgischen Sog besaßen. (So etwa festgehalten in der Vorzeige-Einspielung sämtlicher Richard-Strauss-Tondichtungen mit der Staatskapelle Dresden.) Was Rudolf Kempe offensichtlich gar nicht interessierte, war "Publicity", das Wind-Machen um die eigene Person. Aber kann das wirklich ein Grund sein, sich an einen der Besten seiner Generation nicht zu erinnern? Der 50. Todestag gibt Anlass, Rudolf Kempes Aufnahme-Vermächtnis zu sichten.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel