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Punkt eins
Der Fluch der Ewigkeitschemikalien
Im Wasser, im Boden, in der Luft: Warum PFAS nützlich, aber höchst bedenklich sind. Gast: Univ. Prof. Dr. Thilo Hofmann, Professor für Umweltgeowissenschaften und Leiter des Forschungsverbund Umwelt und Klima der Universität Wien.
Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
20. Mai 2026, 13:00
Sie sind hitzebeständig, wasser- und fettabweisend, und sie sind extrem langlebig: Bei per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, kurz PFAS, handelt sich um eine Gruppe von Industriechemikalien, die rund 10.000 Stoffe umfasst. Noch kommen sie in vielen Produkten zum Einsatz, in Regenjacken und Teflonpfannen, in Feuerlöschschaum oder Pestiziden.
Eben weil PFAS sehr langlebig sind, werden sie in der Umwelt kaum abgebaut. Sie verteilen sich im Wasser, in Böden, im Sediment und bleiben dort für sehr lange Zeit - daher auch die Bezeichnung "Ewigkeitschemikalien" für diese Stoffgruppe. Sie reichern sich auch in Organismen an, wie dem menschlichen Körper, und können hier gesundheitsschädliche Wirkungen: Leberschäden und Krebsrisiken, hormonelle Störungen, eine verringerte Fruchtbarkeit oder erhöhte Cholesterinwerte, eine Schwächung des Immunsystems und eine Beeinträchtigung von Impfwirkungen.
Einige dieser Ewigkeitschemikalien sind in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren bereits verboten worden. Derzeit prüft die EU ein weitreichendes Verbot von PFAS. Im März 2026 sprach sich die EU-Chemiebehörde (ECHA) für ein solches weitreichendes Verbot von Ewigkeitschemikalien aus, jedoch mit Ausnahmeregelungen für den Medizinbereich bzw. bestimmte industrielle Anwendungen.
Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und Global 2000 begrüßen das geplante Verbot, befürchten jedoch gesetzlich Schlupflöcher, die es Herstellern ermöglichen könnten, PFAS weiterhin in vielen Anwendungsbereichen auf den Markt zu bringen. Dass die Belastung der Umwelt mit PFAS bereits jetzt ein großes Problem darstellt, zeigen zahlreiche Erhebungen.
Erst vor Kurzem konnte Global 2000 zeigen, dass die Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) im österreichischen Trinkwasser gefunden wird. 54 von 55 untersuchten Proben enthalten TFA. Die Proben wurden insgesamt 44 Wasserversorgungsanlagen zugeordnet, die zusammen rund 3,9 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen.
Das Umweltbundesamt untersuchte wiederum besonders stark kontaminierte Böden, die man im Umfeld von Flughäfen und Feuerwehrübungsplätzen findet. PFAS werden in der Brandbekämpfung als Tenside in wasserfilmbildenden Schaummitteln eingesetzt. Dort, wo Löscheinsätze regelmäßig erprobt werden, gelangen die Chemikalien in Luft und Böden und in Folge auch in den Wasserkreislauf. Die Sanierung dieser kontaminierten Flächen ist aufwändig und kostspielig.
Thilo Hofmann, Professor für Umweltgeowissenschaften und Leiter des Forschungsverbundes Umwelt und Klima an der Universität Wien, beschäftigt sich in seiner Forschung mit Ewigkeitschemikalien und deren Vorkommen in der Umwelt. Im Rahmen des Forschungsprojektes "Vorkommen und Beseitigung von PFAS", in dem Forschende der Uni Wien, der Technischen Universität Wien und des Austrian Institute of Technology (AIT) zusammenarbeiten, versucht Hofmann neue bzw. bessere Methoden zu entwickeln, um PFAS in der Umwelt aufzuspüren, ihr Vorkommen zu erforschen und effektive Ansätze zu entwickeln, diese Stoffe wieder aus Wasser und Böden zu entfernen.
In Punkt eins bei Marlene Nowotny spricht Thilo Hofmann über die Herausforderungen beim Aufspüren von PFAS in der Umwelt, bei der Bewertung ihrer schädlichen Wirkungen und dabei diese Chemikalien wieder aus der Umwelt zu entfernen.
Haben Sie Fragen dazu, dann melden Sie sich in der Sendung: Sie erreichen uns telefonisch unter 0800 22 69 79, kostenfrei aus ganz Österreich bzw. per E-Mail an punkteins(at)orf.at
