Betrifft: Geschichte

Der Eurovision Song Contest

Musik, Politik und Identität. Mit: Florian Wagner, Medienwissenschaftler und Kurator des Museums Haus der Geschichte Österreich und Renée Winter, Historikerin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.

Die 1950 gegründete European Broadcasting Union (EBU) vernetzt europäische Rundfunkanstalten und ermöglicht erstmals gemeinsame Liveübertragungen. Der Idee nach sollen wie bei einem Musikfestival sieben europäische Länder in einem paneuropäischen Musikwettbewerb gegeneinander antreten - beim ersten "Eurovision Grand Prix des europäischen Liedes" am 24. Mai 1956 in Lugano in der Schweiz. Aus diesem Fernsehversuch wird ein kulturelles Projekt und ein Symbol für Zusammenarbeit in einem sich neu formierenden Europa.

Doch der Wettbewerb erzählt auch von den politischen Spannungen des Kontinents. Während des Kalten Krieges bleiben die Staaten hinter dem Eisernen Vorhang ausgeschlossen. Dort entsteht Ende der 1970er-Jahre mit dem Intervision Song Contest im polnischen Sopot ein eigener Musikwettbewerb. Manche Regierungen nutzen den Eurovision Song Contest als Bühne nationaler Selbstdarstellung. Immer wieder entzünden sich auch Debatten über Antisemitismus und die Teilnahme Israels rund um den ESC - ein Zeichen dafür, wie eng Kultur, Geschichte und Politik miteinander verflochten sind.

Gleichzeitig entwickelt sich der Wettbewerb zu einem Raum, in dem gesellschaftsrelevante Fragen sichtbar werden. In den 1970er- und 1980er-Jahren bildet sich eine internationale Fangemeinde, in der queere Communities eine wichtige Rolle spielen: Auf der Bühne spielen die Inszenierungen mit Geschlechterrollen, Glamour und Popästhetik und hinterfragen damit soziokulturelle Normen. Mit dem Ende des Kalten Krieges erweitert sich der Wettbewerb um zahlreiche Staaten aus Mittel- und Osteuropa. Aus dem Fernsehexperiment ist ein global beachtetes Popereignis geworden und ein Spiegel der politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen Europas.

Im Haus der Geschichte Österreich widmet sich die aktuelle Ausstellung "Unstoppable! Eurovision Song Contest Highlights" dem Wettbewerb. Kurator Florian Wagner und die Historikerin Renée Winter reisen durch die Geschichte des Song Contest und zeigen, wie sich diese Eurovision seit den Anfängen verändert hat.

Service

Unstoppable! Eurovision Song Contest Highlights im Museum
25. März-11. Oktober 2026
Haus der Geschichte Österreich
Neue Hofburg, Heldenplatz, 1010 Wien
Hauptausstellung, Raum 3

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Sendereihe

Gestaltung

  • Barbara Volfing

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