HARALD EISENBERGER
Das Ö1 Konzert
Bruno de Sá singt in höchsten Tönen
Bruno de Sá, Sopranist; Evgeny Sviridov und Anna Dmitrieva, Violine; Gabrielle Kancachian, Viola; Marco Testori, Violoncello; Kit Scotney, Kontrabass; Olga Watts; Cembalo; Blockflöte und Leitung: Dorothee Oberlinger (aufgenommen am 15. Juli in der Helmut List Halle in Graz im Rahmen der "Styriarte 2024")
11. Mai 2026, 14:05
Man hört ein paar Takte - und fragt sich unwillkürlich: Wer singt da? Ein Mann eine Frau ? Bruno de Sá ist ein Mann, aber die Stimme sitzt im Sopranfach, hell, hoch und beweglich. Das dreigestrichene C klingt bei ihm nicht wie ein Kraftakt, sondern wie ein normaler Zielpunkt, den er jederzeit ansteuert. Die Erklärung ist ungewöhnlich: bei dem brasilianischen Sänger blieb der Stimmbruch aus, deshalb konnte sich ein Knabensopran erhalten. Gleichzeitig verleiht ihm die erwachsene Physis jene Stabilität, die man bei Kinderstimmen nie in dieser Form hätte.
Im Grunde ist dies das Ideal, das einst die Kastraten des 17. und 18. Jahrhunderts ausmachte. Bei ihnen wurde durch einen nicht ungefährlichen operativen Eingriff der Stimmbruch verhindert - ungezählte Buben mussten diese Prozedur über sich ergehen lassen, einige wenige wurden die absoluten Stars der Opernszene. Bei der Styriarte 2024 begeisterte der brasilianische Sänger mit Arien u. a. von Händel, Alessandro Scarlatti und Giovanni Bononcini.
Sendereihe
Gestaltung
- Gerhard Hafner
