ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Dimensionen
Netzwerk ohne Nähe
Die Spielregeln der Einsamkeitsökonomie
11. Mai 2026, 19:05
Noch nie war es so einfach, ständig mit anderen verbunden zu sein - und gleichzeitig fühlen sich immer mehr junge Menschen einsam. Während soziale Isolation in vielen Industriestaaten zunimmt, hat das Internet eine Persönlichkeitsökonomie fabriziert. Vor allem auf Social Media richtet sich das Marketing an Einzelne und digitale Angebote basieren auf der Illusion von Nähe, die Influencer, Podcaster und Streamer zwischen sich und ihrem Publikum erzeugen. Intimität wird so in einen ökonomischen Wert verwandelt. Während sozial isolierte Menschen tendenziell mehr Zeit online verbringen und mehr konsumieren, schwächen steigende Lebenserhaltungskosten und unsichere Arbeitsbedingungen stabile soziale Verbindungen. Gleichzeitig sind einsame Menschen anfälliger für radikale Inhalte, und die zunehmende Vereinzelung schwächt die Demokratie. Einsamkeit wird zum politischen und ökonomischen Faktor.
Gestaltung: Anika Haider
