Radiokolleg

Im Warteraum der EU (1)

Die Erweiterung ist zurück

Die EU will wachsen. Aber ist sie wirklich bereit, neue Mitglieder aufzunehmen? Macht sie das in einer Welt, die mit Donald Trump immer mehr von Großmachts-Ansprüchen geprägt ist, stärker? Oder droht sie, daran zu zerbrechen, wenn zu viele Länder mit am Tisch sitzen? Auf dem Balkan warten sechs Länder seit fast einem Vierteljahrhundert auf ihre Mitgliedschaft. Der so genannte Westbalkan ist weniger geografische Region als ein riesengroßes Wartezimmer, in dem rund 20 Millionen Menschen leben. In dieser Serie reisen wir einmal quer durch den Warteraum und in jene Länder, die seit den Nullerjahren in die EU eintreten möchten.

Über Jahre hinweg war die EU von einer lähmenden Erweiterungsmüdigkeit geprägt. Brüssel hat den Staaten des Westbalkans vor über zwei Jahrzehnten einen Heiratsantrag gemacht. Aber dann kriselte die Beziehung. Zu einer Hochzeit kam es nie. Der Krieg in der Ukraine hat die Mitgliedstaaten aus dem Dornröschen-Schlaf gerissen. Will die EU wieder wachsen? Sind wir überhaupt bereit, den Balkan in die EU-Familie aufzunehmen? Larissa Lojic, 26 Jahre alt, hofft darauf. Sie ist in Wien geboren und aufgewachsen, sieht sich aber als Teil der Diaspora, also der großen ex-jugoslawischen Community in der Hauptstadt. Ihre Eltern stammen aus Bosnien-Herzegowina. Der Vater kam als Kind von Gastarbeitern in den 70ern, ihre Mutter in den 90ern, als die Kriege auf dem Balkan ausbrachen. Ein EU-Beitritt würde Larissas Heimatländer näher aneinander bringen, bürokratische Hürden bei der Pension ihrer Eltern abbauen. Aber auch für die EU als Ganzes hätte die Erweiterung mehr Nutzen als Risiken, glaubt die Politikwissenschaftlerin Frauke Seebass. Denn wenn die EU es nicht schafft, in ihrem "Hinterhof" als Akteurin aufzutreten, wo dann in der Welt?

Gestaltung: Franziska Tschinderle

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