Rosalía, 2017

AP/CHRIS PIZZELLO

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Rosalía: Pop-Visionärin und Grenzgängerin (1)

Die Anfänge - "Los Ángeles" und der Flamenco

Rosalía ist eine der einflussreichsten Popmusikerinnen unserer Zeit. Ob mithilfe des andalusischen Flamencos, karibischen Reggaetons, mit Hip-Hop oder, zuletzt, der Klassik: Seit Beginn ihrer Karriere sucht die Katalanin nach neuen Ausdrucksformen im Pop. Wie wurde eine Flamenco-Schülerin aus Katalonien zum globalen Phänomen? Und wie prägt ihr Sound den zeitgenössischen Pop?

Rosalía Vila Tobella kommt 1992 in der industriellen Provinz außerhalb Barcelonas zur Welt. Früh beginnt sie zu musizieren, als Teenagerin kommt sie erstmals mit Flamenco in Kontakt. "Mein Kopf ist explodiert" - so beschreibt die Künstlerin den Moment, als sie erstmals den Flamenco von Camarón de la Isla hört: Jenem Roma-Musiker, der das Genre mit seinem rebellischen Ansatz Anfang der 70er Jahre revolutioniert und in den spanischen Mainstream katapultiert. Sie ist, so die Erzählung, 13 Jahre alt und sitzt im getunten Auto eines Freundes, der Moment für sie eine Offenbarung.
Der Erstkontakt führt Rosalía später an die katalanische Musikhochschule, wo sie unter dem andalusischen Cantaor Chiqui de la Línea Flamenco-Gesang studiert. Sie macht ihre ersten Gehversuche in der Flamenco-Szene und lernt bald den katalanischen Produzenten und Gitarristen Raül Refree kennen. Zusammen veröffentlichen sie im Jahr 2017 "Los Ángeles", Rosalías Debütalbum: Ein Konzeptalbum zum Thema Tod, auf dem die damals 23-jährige zum ersten Mal ihre stimmliche Wucht demonstriert. Das Album wird von Kritikern als "unplugged noisy Folklore" gelobt, akustischem Folklore mit Noise-Elementen, irgendwo zwischen minimalistischer Avantgarde und Tradition.
Zur ungefähr gleichen Zeit taucht Rosalía erstmals auch in der Pop-Welt auf: Mit ihrem damaligen Partner, dem spanischen Rapper C. Tangana aus Madrid, veröffentlicht sie 2016 das Feature "Antes de Morirme". Der Song wird zu einem sogenannten "Sleeper-Hit": Er bleibt zunächst unbemerkt, schlägt dann aber auf den Streaming-Plattformen ein, ruft Vergleiche mit US-Popstars wird Drake und Rihanna hervor und wird Jahre später als bahnbrechender Moment für die spanische Musica Urbana bezeichnet werden - dem Genre, das in den späten 10er Jahren im hispanischen Raum groß wird und Hip-Hop mit karibischen bzw. spanischen Einflüssen verbindet.

Gestaltung: Melissa Erhardt und Siri Malmborg

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