Punkt eins

Sinkende Geburtenraten

Bevölkerungsentwicklung: Von der Trendumkehr zum demographischen Kollaps? Gäste: Dr. Michael Kuhn, Demograph, Ökonom, Vienna Institute of Demography & Prof. Dr. Wolfgang Lutz, Professor für Demographie an der Universität Wien, Mitglied der ÖAW. Moderation: Philipp Blom. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Das Ansteigen der Weltbevölkerung übt enormen Druck auf natürliche Ressourcen und Lebensräume aus. Seit Paul Ehrlich 1968 sein einflussreiches Buch "The Population Bomb" publizierte, hat sich in der Öffentlichkeit die Meinung festgesetzt, dass die Überbevölkerung ein großes, wenn nicht das größte Problem der menschlichen Zukunft ist.

Tatsächlich haben sich Ehrlichs Voraussagen nicht bewahrheitet und heute zeigen demographische Studien und Projektionen, dass die eigentliche Herausforderung darin liegt, dass überall auf der Welt die Geburtenraten so stark fallen, dass ganze Bevölkerungen und Gesellschaften in den nächsten Jahrzehnten zusammenbrechen könnten, denn natürlich wäre ein Absinken der globalen Population eine Entlastung für den Planeten. Für die Menschen aber könnten die Folgen ganz andere sein, wenn soziale und wirtschaftliche Netzwerke zerreißen, Städte und ganze Landstriche verwaisen und die Ernte nicht mehr eingebracht werden kann.

In den reichen Ländern des globalen Nordens liegen die Geburtenraten pro Paar meist bei 1,5 Kindern, d.h. weit unter dem Erhaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Paar, Tendenz fallend. Aber auch in anderen Regionen der Welt von Mexiko bis Westafrika fallen die Geburtenraten dramatisch. In Südkorea liegen sie bei weit unter einem Kind pro Paar.

Woran liegt es, dass Menschen besonders in der reichen Welt sich immer weniger dazu entschließen, Kinder zu bekommen? Was sagt das über die Stellung von Familien, die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung und Elternkarenz, über Steuerrecht und die Karrierechancen von Frauen? Oder liegen die eigentlichen Fragen viel tiefer, zumal dieselbe Tendenz sich in ganz unterschiedlichen Gesellschaften zeigt? Haben Paare es zu schwer, gerade in den Jahren der Familiengründung, oder fehlt der Glaube an eine gute Zukunft? Gibt es historische Parallelen, die helfen könnten?

Der Wittgenstein-Preisträger Wolfgang Lutz ist Professor für Demographie an der Universität Wien und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Gemeinsam mit dem Demographen und Ökonomen Michael Kuhn vom Vienna Institute of Demography und nebenamtlich am International Institute for Applied Systems Analysis in Laxenburg spricht Wolfgang Lutz mit Moderator Philipp Blom über Gründe und Konsequenzen der weltweit rasch sinkenden Geburtenraten. Wie verlässlich sind solche Projektionen, wie unterschiedlich verlaufen diese Prozesse in unterschiedlichen Ländern und welche Möglichkeiten hat die Politik, diese Entwicklung zu gestalten?

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