Radiokolleg
Der Philosoph geht in die Oper (2)
Verdi contra Wagner und die Mystik der Freiheit
27. Mai 2026, 09:45
Die Handlung von "Tristan und Isolde" liegt nicht in äußeren Ereignissen. Wagner treibt den Prozess, der seiner dramatischen Methode stets zugrunde lag, auf die Spitze: die Verinnerlichung der Handlung und die Darstellung innerer Zustände sowie der tiefsten Regungen des Geistes durch die Musik. Um dies zu erreichen, kürzt er nicht nur den traditionellen Plot (Personen und Ereignisse) drastisch, vor allem findet er aber eine höchst originelle Weise, um das Drama zu entfalten: die Zeit wird stillgestellt. Eine Art mystischer Erleuchtung als Voraussetzung von Freiheit steht auch im Zentrum von Verdis musikalischem Schaffen, das sich auf fast gegensätzliche Weise liberalen und politischen Idealen verpflichtet weiß.
Gestaltung: Erich Klein
