Radiokolleg
Zwischen Klang und Schrift (2)
Musik aus Sprache
2. Juni 2026, 09:45
Musik wird traditionell in Notenschrift fixiert. Es existieren jedoch auch Formen, in denen Partituren ohne klassische Notation auskommen: Texte, Anweisungen und sprachliche Strukturen treten an die Stelle musikalischer Zeichen und werden somit zur Lektüre.
Ein Beispiel dafür ist Karlheinz Stockhausens "Aus den sieben Tagen" (1968), das aus sprachlich elaborierten Anweisungen in Versen besteht. Auch Dieter Schnebels MO-NO (1969) regt durch die Verbindung von literarischen Texten, Notenzeichen und grafischen Elementen dazu an, beim Lesen Musik und Klang mitzudenken.
Gesprochene Musik, etwa Ernst Tochs "Geographische Fuge", verzichtet auf traditionelle Notation und überträgt die rhythmische Organisation dem Text. Ähnlich verfährt Gerhard Rühm in Gedichten wie "beten" (2002): Jedem Notenwert ist eine Silbe zugeordnet: "ai-ne noün-tsix-je-ri-ge frau", oder: zwei Sechzehntel - zwei Achtel - eine Achteltriole - eine Viertel:
Gestaltung: Katharina Hirschmann, Susanne Hofinger
