George Sand (Ausschnitt einer Zeichnung)

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Gedanken für den Tag

Das Geschlecht der Seele

Brigitte Schwens-Harrant, Literaturwissenschaftlerin und Feuilletonchefin der Furche, zum 150. Todestag von George Sand

1839 erscheint in einer französischen Kulturzeitschrift ein Dialogroman in Fortsetzungen, der ein Jahr später als Buch veröffentlicht wird. Geschrieben wie ein Theaterstück und durchaus auch für die Bühne vorgesehen, verweist der Titel auf die Hauptfigur "Gabriel".

Dieser Gabriel wurde als Gabrielle geboren, der Großvater lässt seine Enkelin aber, um sie als Erbe einsetzen zu können, im Glauben aufwachsen, sie sei ein Mann. Zudem soll eine entsprechende Erziehung einen Mann aus ihr machen, der den Erwartungen entspricht. Dass das gelungen sei, bestätigt der Hauslehrer dem Großvater. Er berichtet ihm: Gabriel "studiert gerne, und er ertüchtigt sich auch gerne, liebt die Jagd, die Waffen, den Wettlauf. Seine Geschicklichkeit, seine Ausdauer und sein Mut gleichen die körperliche Kraft aus. Seine Vorlieben gelten den ernsten Dingen, aber er hat auch die Vorlieben seines Alters: für schöne Pferde, reiche Gewänder, glänzende Waffen."

Der perfiden Erziehung dient sogar die Kunst, sind doch auch viele Bilder voll mit Darstellungen von Gewalt an Frauen, "überall die Frau als Sklavin, Besitz, Eroberung".
Es ist beeindruckend, wie hellsichtig die Schriftstellerin George Sand im Jahr 1839 über diese Welt schreibt, in der Männer gerühmt werden und Frauen erniedrigt. Und wie sie in diesem Dialogroman die bestens mit Vernunft ausgestattete und in Rhetorik ausgebildete Gabrielle gegen das Unrechtssystem ausrücken lässt - wobei am Ende allerdings wieder die Gewalt des Mannes über die Frau siegt.

"Ich jedenfalls habe nicht das Gefühl, dass meine Seele ein Geschlecht hat, wie Sie es mir so oft beweisen wollen", sagt Gabrielle dem Hauslehrer und stellt damit die gängigen Zuordnungen in Frage. "Zu nichts verspüre ich in mir eine absolute Fähigkeit: Zum Beispiel fühle ich mich nicht absolut tapfer, und auch nicht absolut feige."

Service

George Sand, "Gabriel. Ein Dialogroman.", aus dem Französischen übersetzt von Elsbeth Ranke, mit einem Nachwort von Walburga Hülk, Ditzingen 2024

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Frederic Chopin/1810 - 1849
Album: CHOPIN - WALZER
Titel: Walzer für Klavier in h-moll op.69 Nr.2
Solist/Solistin: Dimitri Alexeev /Klavier
Länge: 01:10 min
Label: EMI 7475012

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