Radiokolleg
Gruppen der Macht - von G7 bis BRICS+ (1)
Von Bretton Woods bis G7
8. Juni 2026, 09:05
1944 einigen sich 44 Länder auf einer Konferenz im amerikanischen Bretton Woods auf den US-Dollar als internationale Leitwährung. Diese Entscheidung prägt die Welt seither. Es bildeten sich informelle Gruppen, wie die G7, später die G20. Doch in diesem Setting kann der globale Süden nicht die gewünschte Emanzipation erreichen. Nun ist die Gruppe der BRICS+ gerade dabei die Entdollarisierung voranzutreiben. Sie droht an ihrer Uneinigkeit zu scheitern und das Schicksal könnte auch die EU ereilen, die sich neuerdings auch von den USA emanzipieren will. Derzeit formieren sich die größten Volkswirtschaften der EU zu einer Gruppe der E6. Sie wollen die Integration vorantreiben. Informelle Gruppen sind schnell und flexibel, meist intransparent, sie sind unverbindlich und all das ist ihr Vorteil gegenüber multinationalen Organisationen.
Vom 15. bis17. Juni 2026 werden die Staatsoberhäupter von Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Kanada, Japan und den USA im französischen Evian les Bains zu einem G7 Gipfel zusammentreffen. Im Vorfeld meint Gastgeber Emanuel Macron, er wolle zum ursprünglichen Geist der G7 zurückkehren, der 1975 in Rambouillet zur Gründung der Gruppe geführt hat.
Die Gruppe der 7 formiert sich als informelles Gegenmodell zur klassischen Diplomatie, um in der Krise schnell agieren zu können. Seit diesen ersten sogenannten Kamingesprächen auf Schloss Rambouillet 1975 finden die G7 Gipfeltreffen jährlich statt und die Gruppe, die zu diesem Zeitpunkt wenig mehr als 10 % der Weltbevölkerung und fast 70% des globalen Bruttoinlandprodukts repräsentiert, baut ihre Machtposition in den Folgejahren stetig aus. Dies gelingt nicht zuletzt mit den Institutionen von Bretton Woods: Der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds. Aber von den ursprünglich 44 Teilnehmern bei der Konferenz in Bretton Woods im Jahr 1944 fühlen sich viele zurückgelassen. Die G7 Entscheidungen seien intransparent und zu unverbindlich, lautet der Vorwurf. In den neoliberalen 1980igern, in denen Margaret Thatcher, Ronald Reagan und Helmut Kohl den Ton angeben, setzt sich der Eindruck durch, dass die G7 globale wirtschaftliche Probleme allein lösen können: Die Inflation sinkt und das Wachstum scheint stabil. Gleichzeitig rutschen jedoch die Entwicklungsländer mit dem starken Dollar in eine Schuldenkrise. 1982 stellt Mexico klar, dass es seine Schulden nicht mehr tilgen kann. Das Nord-Süd-Gefälle ist evident. Und die soziale Ungleichheit steigt.
Gestaltung: Dagmar Streicher
