Radiokolleg
Gruppen der Macht - von G7 bis BRICS+ (3)
Neue Machtansprüche - BRICS+
10. Juni 2026, 09:05
Der Name BRIC taucht 2001 erstmals auf und ist zunächst nur eine praktische Abkürzung für die wirtschaftlich boomenden Länder Brasilien, Russland, Indien und China in einer Studie für Goldman Sachs. Der Studienautor Jim O'Neill zeigt auf, dass das Wirtschaftswachstum in den BRIC-Ländern bereits um die Jahrtausendwende höher ist als jenes der G7. Damit würde auch ihr Anteil am Weltbruttoinlandsprodukt weiter steigen und sich die Macht vom globalen Westen weg zu den Schwellenländern hin verschieben. O'Neill empfiehlt den Anteil der Europäer in der Gruppe der 7 zu reduzieren und die BRIC-Staaten einzubinden. Die G7 horchen auf, haben aber gerade die Gruppe der 20 gegründet, in der alle BRIC-Länder ebenfalls vertreten sind und sehen keinen größeren Handlungsbedarf.
Auch die heterogenen BRIC-Länder selbst gehen es nur zaghaft an: Erst 2009 findet der erste politisch relevante BRIC-Gipfel in Jekatarinenburg statt. 2010 schließt sich Südafrika an. Seither haben die BRICS+ weitere Länder aufgenommen und wachsen stetig. Heute repräsentieren sie fast 49% der Weltbevölkerung und die kaufkraftbereinigte globale Wirtschaftsleistung ist höher als jene der G7. Viele Länder sind an einer Mitgliedschaft oder Partnerschaft interessiert, denn mit der New Development Bank (NDB) und dem Contingent Reserve Arrangement (CRA) bieten die BRICS+ höchst attraktive Finanzierungsalternativen zur Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds. Die heterogene Gruppe treibt die weltweite "Entdollarisierung" voran und strebt eine eigene Währungseinheit an. Das eigentlich starke gemeinsame Ziel, nämlich die Unabhängigkeit vom globalen Westen - und vor allem den USA - ist in der BRICS+ Gruppe unterschiedlich stark ausgeprägt. Der Gegendruck aus den USA ist für viele Länder existentiell bedrohlich. Und in ihrer Uneinigkeit und internen Machtansprüchen liegt auch die große Schwäche der informellen und politisch heterogenen Gruppe, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens doch Beachtliches erreicht hat. Man darf gespannt sein, wie sich der nächste Gipfel im Spätsommer 2026 in New Dehli gestaltet. Der Fokus soll auf Technologie, digitaler Infrastruktur und wirtschaftlicher Zusammenarbeit liegen.
Gestaltung: Dagmar Streicher
