Gedanken für den Tag
Bauen zwischen Himmel und Erde
Johanna Schwanberg, Direktorin des Dom Museum Wien, zum 100. Todestag von Antoni Gaudí
10. Juni 2026, 06:57
Er gilt als einer der visionärsten Architekten der Moderne und prägte das Erscheinungsbild von Barcelona wie kein anderer: Antoni Gaudí lebte und arbeitete zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer Zeit des Umbruchs - und wagte es, Architektur völlig neu zu denken. Mit Bauwerken wie dem Park Güell oder der Casa Milà schuf er ikonische Orte, die bis heute faszinieren. Seine Entwürfe orientieren sich nicht an geraden Linien oder klassischen Formen, sondern an der Natur selbst. Organische Strukturen, geschwungene Linien und eine beinahe skulpturale Gestaltung machen seine Bauwerke bis heute einzigartig.
Berühmt ist vor allem sein Lebenswerk, die Sagrada Família, ein ebenso kühnes wie zutiefst spirituelles Bauprojekt. Gaudís tiefer Glaube durchdringt seine Architektur ebenso wie sein unerschöpflicher Einfallsreichtum - nicht zuletzt ist bis heute immer wieder auch von einer möglichen Seligsprechung die Rede. Die Basilika, an der bis heute gebaut wird, gilt als Ausdruck einer Vision, die Kunst, Natur und Religion miteinander verbindet. Zum 100. Todestag soll mit der Fertigstellung des monumentalen Jesusturms ein weiterer Meilenstein erreicht werden.
Anlässlich dieses Gedenkens folgt Johanna Schwanberg in den "Gedanken für den Tag" den Spuren eines radikalen Erneuerers. Sie nimmt dabei einzelne Bauwerke Gaudís in den Blick und erschließt deren besondere Formensprache und Bedeutung. Dabei stellt sie Bezüge zur Gegenwart und zu ihrer persönlichen Erfahrungswelt her. So entsteht ein vielschichtiges Bild eines kompromisslosen Künstlers zwischen Naturbeobachtung, Spiritualität und architektonischer Innovation - und die Frage danach, was sein Werk heute über das Verhältnis von Mensch, Raum und Umwelt erzählen kann.
