Stimmen hören

Königin der Extreme

Vier Jahrzehnte Oper à la Bartoli

Es war in den späten 1980er Jahren, dass eine junge Römerin blitzartig die Opernszene in Aufruhr versetzte: Gesanglich virtuos und darstellerisch vor Energie sprühend bediente sie das Rossini-Buffa-Mezzofach, wickelte in ausgesuchten Mozart-Partien das Publikum um den Finger, "servierte" Lied-Petitessen mit einer Selbstverständlichkeit und Reife, die Staunen erregte. Wie würde es weitergehen mit dieser Cecilia Bartoli? Würde sie sich zur Carmen-Darstellerin ihrer Generation entwickeln? Würde sie als Rossini-Contralto neue Maßstäbe setzen? Weder - noch, aber Bartoli wurde - ganz Bartoli, in so vielen speziellen Facetten, von denen sie eine jede zur Spezialität erhob. Fast ausnahmslos besonnt von medialem Wohlwollen setzte sie auf extremistisch ausgefallen programmierte, zugleich profund recherchierte Alte-Musik-Konzeptalben, fand sich die historische Figur der Maria Malibran als "Hebel" für Eroberungen im Belcanto-Fach, machte "Gender Bending" in hehren Musentempeln heimisch. Das alles mit bewundernswerter Einsicht in die eigenen Stärken, aber auch Grenzen - wer hätte dem Mezzo-Starlet vor knapp vier Jahrzehnten prophezeien wollen, dass einmal die Salzburger Pfingstfestspiele um Cecilia Bartoli kreisen würden, in jährlich sich wiederholendem Delirium, dass sie sich auch als Opern-Direktrice bewähren würde? Ebenso der typische Bartoli-Interpretationsstil zwischen inniger Versenkung und klug dosierter furioser Attacke, beides stets neu plausibel gemacht als Ausdruck einer singulären Persönlichkeit.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel