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Ausgewählt
Wanderung einer Seele (II)
Janáceks Violinsonate
22. Juni 2026, 10:05
Schon als Student zuerst in Leipzig und dann in Wien hatte Janácek je eine Violinsonate komponiert, die aber beide nicht erhalten sind. Erst 35 Jahre später kehrte er zu dieser Form zurück, im Sommer 1914 als der Erste Weltkrieg ausbrach, dessen Geschütze man in der Sonate aus der Ferne zu vernehmen glaubt. Das näher rückende, für Janácek hoch willkommene russische Heer. Janácek fängt in der Sonate die Stimmung dieser unsicheren Zeit und der mährischen Landschaft ein, eine Stimmung ähnlich wie in Joseph Roths Roman "Radetzkymarsch".
Am 15. August beginnt er mit der Komposition, seine ursprüngliche Inspiration war nach eigener Aussage die Stille. Immer wieder arbeitete Janácek die Sonate um, bis er ihr schließlich 1922 für die Uraufführung am 25. April ihre endgültige Gestalt verlieh. Besonders nah waren ihm die Ballada und das abschließende Adagio, in denen viel Wahres enthalten sei, so Janácek. Immer wieder erinnern Passagen des Werks an seine russische Oper "Katja Kabanowa". In dieser "Ausgewählt"-Ausgabe fokussieren wir auf ein exemplarisches Werk Janáceks für Violine und sein kompositorisches Umfeld in exemplarischen Interpretationen.
