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Betrifft: Geschichte
Die Arenabesetzung 1976
Umbruch der Gesellschaft (4): Gesellschaftliche Utopien. Mit: Robert Menasse (Schriftsteller). Gestaltung: Sabine Nikolay.
25. Juni 2026, 15:55
Wien in den Siebzigerjahren war eine öde Betonwüste für junge Menschen: Parks waren nur zum Anschauen, Musik gab es nur in klassischer Hochkultur (Oper, Musikverein, Konzerthaus), Freiräume waren rar. Doch ab 1970 reagierten die Wiener Festwochen mit einer alternativen Programmschiene für junge Menschen namens Arena. Diese war zunächst im 20er-Haus beheimatet und fand 1976 zum zweiten Mal im sogenannten "Auslandsschlachthof" im Landstraßer Stadtteil St. Marx statt. Dort kam es nach dem Konzert der alternativen Musikband "Misthaufen" zur spontanen Besetzung des Areals.
Die "Arena" war bis 6. Oktober 1976 der erste von jungen Menschen selbstverwaltete Ort der Kultur in Wien. Ab dem 12. Oktober wurde der Auslandsschlachthof abgerissen. Ein Teil der Besetzerinnen und Besetzer übersiedelte in den kleineren Inlandsschlachthof, der seither und bis heute in Selbstverwaltung eine wichtige Konzertlocation ist.
In dieser Folge: Ganz wichtig für die Selbstverwaltung, aber auch für die persönliche und kollektive Verortung der Protagonisten, war das "Plenum". Regelmäßige Treffen der Aktivistinnen und Aktivisten, in denen alles besprochen wurde, was zu tun war: Reparaturen, Termine, Beschaffung von Material oder Lebensmitteln sowie technische und finanzielle Belange, aber auch philosophisch wurde viel diskutiert. Immerhin stand die Arena am Beginn einer neuen Zeit in den seit 1968 in Europa voranschreitenden gesellschaftlichen Umbrüchen, erzählt der Schriftsteller Robert Menasse.
