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Betrifft: Geschichte
Die Arenabesetzung 1976
Umbruch der Gesellschaft (5): DIe Arena und ihre Folgen. Mit: Markus Hochgerner (Psychotherapeut, Verein Jugendzentrum Kursalon Mödling). Gestaltung: Sabine Nikolay.
26. Juni 2026, 15:55
Wien in den Siebzigerjahren war eine öde Betonwüste für junge Menschen: Parks waren nur zum Anschauen, Musik gab es nur in klassischer Hochkultur (Oper, Musikverein, Konzerthaus), Freiräume waren rar. Doch ab 1970 reagierten die Wiener Festwochen mit einer alternativen Programmschiene für junge Menschen namens Arena. Diese war zunächst im 20er-Haus beheimatet und fand 1976 zum zweiten Mal im sogenannten "Auslandsschlachthof" im Landstraßer Stadtteil St. Marx statt. Dort kam es nach dem Konzert der alternativen Musikband "Misthaufen" zur spontanen Besetzung des Areals.
Die "Arena" war bis 6. Oktober 1976 der erste von jungen Menschen selbstverwaltete Ort der Kultur in Wien. Ab dem 12. Oktober wurde der Auslandsschlachthof abgerissen. Ein Teil der Besetzerinnen und Besetzer übersiedelte in den kleineren Inlandsschlachthof, der seither und bis heute in Selbstverwaltung eine wichtige Konzertlocation ist.
Auch an anderen Orten in Österreich entstanden selbstverwaltete Kultur- und Jugendzentren, die deutlich dokumentierten, wie groß der Wunsch nach Erneuerung der Gesellschaft, aber auch der Wunsch nach persönlichen Freiräumen war. Junge Menschen wollten einander abseits von Konsum und erwachsener Kontrolle treffen und austauschen, sie wollten Theater spielen, Musik machen, (laute) Konzerte besuchen... Und vieles, was im Zuge der Arenabesetzung entstand, gibt es bis heute, sagt Markus Hochgerner. Er ist Psychotherapeut, Jugendbetreuer und Vereinsvorstand des autonomen Jugendzentrums Kursalon in Mödling.
