Diagonal

Bauernkrieg. Oberösterreich 1626

Eine brutale Rekatholisierungswelle rollt während des Dreißigjährigen Krieges durch Oberösterreich. Die radikale Auseinandersetzung zwischen evangelischen Bauern und katholischer Obrigkeit vor genau 400 Jahren wird bis heute sehr unterschiedlich gedeutet. Eine diagonaleske Spurensuche.

Hundert Jahre vorher wurde der große "Bauernkrieg" in Deutschland ausgefochten. Aus österreichischer Sicht ist jedoch der "Oberösterreichische Bauernkrieg" von 1626 weit mehr von Belang. So kurz diese gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen katholisch befehligten Truppen und evangelischen Bauern auch gedauert haben mögen - letztlich dauerten die Kämpfe nur einige Monate an -, umso stärker haben sich diese Geschichten im Bewusstsein, in der Erinnerung, in der Geschichtsdeutung auf seltsam intensive Weise festgesetzt.

Vom grausamen, makabren "Frankenburger Würfelspiel" über den idolisierten Bauernführer Stefan Fadinger und seinen Schwager Christoph Zeller reichen die Geschichtsbilder, die je nach Zeitenwende verschieden gedeutet wurden und werden. Doch diese bloß hundert Jahre von Renaissance und Reformation haben das Bild Oberösterreichs geprägt: Vom Ennser Stadtturm über das Linzer Landhaus bis hin zum Landschloss Parz mit seinen Außenfresken.

Die geographisch und inhaltlich mannigfaltige, oberösterreichische Kulturveranstaltung "communale 2026" folgt - samt Ausstellung im Linzer Schlossmuseum - den widersprüchlichen Geschichtsauffassungen. Zum kriegerischen Clash der Jahre 1625 und 1626 führte offenbar eine Verquickung von einerseits in die Armut getriebener Bauernschaft, vor allem aber die Verquickung mit konfessionellen, dogmatischen Forderungen durch die kaiserlich-habsburgischen und auf Rekatholisierung beharrenden "Reformationspatente". Alle Protestanten wurden radikal und diktatorisch des Landes verwiesen. Handwerker, Lehrer, Geschäftsleute, Adelige, alle folgten diesem Zwang, um ihr Leben zu retten.

Es gab Städte, die nach den "Patenten" nur mehr ein Drittel ihrer ursprünglichen Bevölkerung hatten. Die "Bauern", was immer auch mit dieser Bezeichnung des Standes genau gemeint ist, konnten das aber nicht. Weggehen, emigrieren. Bäuerliches Land kann man nicht mitnehmen. Auf ihre reformierte Religion wollte die zurückgebliebene Bevölkerung aber nicht verzichten. Und dafür wurden sie kaiserlich bestraft. Bis heute wird deswegen von "Bauernkrieg" gesprochen. Möglicherweise folgt man schon allein mit dieser Bezeichnung - und das bis heute - der gegenreformatorischen Propagandadiktion.

All diesen verschlungenen Pfaden eines nur vorgeblich eindimensionalen "Krieges" und vor allen Dingen den vielen Versuchen diese Ereignisse später für sich zu reklamieren, von den frühen Sozialisten im 20. Jahrhundert über die Austrofaschisten und schließlich den Nationalsozialisten, all dem folgt dieses Diagonal über den "Bauernkrieg" 1626.

Mit dem Historiker Hannes Leidinger und anderen Expert:innen.

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  • Christian Scheib