Zeit-Ton
Dror Feiler im Porträt
Kunst und Konfrontation mit Dror Feiler
12. Juli 2026, 20:01
Komponist, Musiker, Aktivist: Seit mehr als 50 Jahren verfolgt Dror Feiler eine Kunst, die ebenso konfrontativ wie politisch ist. Der israelische, in Schweden lebende Saxofonist und Elektronikmusiker hat mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra und dem Black Page Orchestra gearbeitet, seine Werke reichen von der Kammermusik bis zu Noise-Kompositionen.
Radikal und konsequent geht es ihm darum, uns aufzurütteln. Eine streitbare Person, die ihr gesellschaftliches Engagement den Lösungsversuchen im Nahostkonflikt verschrieben hat.
"Zeit-Ton" widmet Dror Feiler ein Porträt.
Das auf Tonträger dokumentierte Werk von Dror Feiler ist vergleichsweise schmal, abgesehen von zwei CD-Boxen, die sich "Maavak" nennen und 2023 auf dem Elektroakustik-Label iDEAL Recordings herausgekommen sind. Sie präsentieren Feilers Schaffen seit 1980 - auf jeweils zehn CDs. Die "Maavak"-Boxen umfassen Kammermusik, Orchesterwerke mit dem Klangforum Wien, Stücke für Klarinette und Violine, für Solo-Saxofon sowie zahlreiche Ansätze zur Noise-Musik.
So werden in einem von Feilers Hauptwerken mit dem programmatischen Titel "Music Is Castrated Noise" Situationen geschaffen, die versuchen, statt mit Regeln mit nur wenigen Absprachen auszukommen.
Erklärte Absicht Dror Feilers an seine Kunst und Musik: Sie sollen frei sein von Hierarchien wie Themen und Melodien, stattdessen sollen alle Klänge gleich weit oder nah zueinander stehen. Sie sollen vereinnahmen.
Komplexe Musik für eine komplexe Welt
1951 in Tel Aviv geboren und im nahegelegenen Kibbuz Yad Hana aufgewachsen, wurde Feiler 1970 zu einem der ersten "Refuseniks", als er sich weigerte, für seinen Militärdienst in den besetzten Gaza-Streifen zu gehen. Er wurde dann an die Grüne Linie Nord-Gazas versetzt, wo er seinen dreijährigen Dienst beendete. Danach reiste er durch Europa und blieb in Schweden.
An der Musikhochschule Stockholm studierte er Komposition bei Brian Ferneyhough und war in den renommierten Musik- und Kultureinrichtungen Elektronmusikstudion (EMS) sowie Fylkingen tätig. 1975 war er Mitbegründer des Free-Jazz-Trios Lokomotiv Konkret.
Seine Musik war auf dem Huddersfield Contemporary Music Festival, den Donaueschinger Musiktragen ebenso zu erleben wie auf dem Festival Warschauer Herbst und dem Berliner Club-Festival CTM.
Seit der Zeit in Gaza engagiert sich Feiler politisch und ist seit 20 Jahren Vorsitzender der Vereinigung European Jews for a Just Peace (EJJP).
Ab Mitte 2025 war Feiler ein Jahr "Award Fellow" des vom Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) organisierten Künstlerprogramms, für das er Auftritte u.a. mit Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) und dem palästinensisch-schwedischen Lyriker Ghayath Almadhoun erarbeitete. Im Herbst war er dann in Wien, wo er mit Mitgliedern des Black Page Orchestra spielte. Dem waren gemeinsame Auftritte 2021 im Wiener Konzerthaus und am ORF musikprotokoll in Graz vorausgegangen.
Im "Zeit-Ton"-Interview erzählt Dror Feiler über seine Musik, sein Leben und von seinem größten Wunsch: Frieden.
