Menschenbilder
Riane Eisler zum 95. Geburtstag
Von Dominanz zur Partnerschaft. Riane Eisler, Systemwissenschaftlerin und Kulturhistorikerin
19. Juli 2026, 14:05
Wie kommen wir weg von einer Kultur der Beherrschung hin zu einer Kultur der Verbindung? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Lebenswerk der amerikanischen Kulturhistorikerin, Systemwissenschaftlerin und Autorin Riane Eisler. Weltweit bekannt wurde sie mit dem Bestseller "The Chalice and the Blade" ("Kelch und Schwert"), in dem sie die Geschichte der Menschheit radikal neu erzählt: Nicht als unausweichlichen Weg voller Krieg, Gewalt und Unterdrückung, sondern als jahrtausendelanges Ringen zwischen Dominanz und Partnerschaft.
Geprägt wurde Eisler dabei von ihrer eigenen Geschichte: Geboren 1931 in Wien, musste sie als Kind mit ihrer jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten fliehen. Über Kuba gelangte sie in die USA, wo sie heute noch lebt. Nach ihrem Studium der Soziologie und Rechtswissenschaften an der University of California gründete Eisler mit ihrem zweiten Ehemann, dem Psychologen und Evolutionsforscher David Elliot Loye, das "Center for Partnership Studies", mit dem sie eine Plattform schuf, um ihre Forschung zu Feminismus, Demokratie und Ökonomie auch praktisch wirksam zu machen. Als Mutter zweier Töchter verfolgt Eisler seither die These: Wie Menschen in Familien miteinander umgehen, wie Kinder erzogen werden und welchen Wert eine Gesellschaft Fürsorge zuschreibt, entscheidet letztlich auch darüber, wie Macht, Politik und Wirtschaft organisiert sind. Besonders ihre Idee einer "Caring Economy", in der unbezahlte Sorgearbeit nicht als private Nebensache verstanden wird, sondern als Fundament jeder Gesellschaft, erscheint heute aktueller denn je.
Bis heute schreibt Riane Eisler Bücher, hält mit ungebrochener Energie Vorträge und berät Organisationen weltweit - (getrieben) motiviert von der Überzeugung, dass gesellschaftlicher Wandel notwendig und möglich ist. 2025 initiierte sie das virtuelle globale Friedenstreffen "Peace Begins at Home Summit", das internationale FriedensforscherInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen zusammenbrachte. Für ihr Wirken wurde Riane Eisler bereits mehrfach ausgezeichnet - zuletzt mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.
Anlässlich des 95. Geburtstags von Riane Eisler bringen die "Menschenbilder" das Porträt einer außergewöhnlichen Denkerin, die aus ihrer eigenen Geschichte von Flucht und Gewalt eine universelle Hoffnung formuliert hat: Dass eine Welt jenseits von Dominanz, Angst und Unterdrückung nicht nur vorstellbar ist - sondern gestaltet werden kann.
Sendereihe
Gestaltung
- Mari Lang
