Gedanken für den Tag

Aufmerksamkeitsverschiebung

von Martina Pippal, Kunsthistorikerin, Künstlerin und Autorin

Dass das Handy in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten immer mehr an Lebenszeit verschlingt, ist evident. Fragt sich: Was steht hinter der Willfährigkeit des Menschen, sein Denken, Fühlen und Erinnern freiwillig an dieses Gerät zu verschenken? Womöglich auch noch das eigene Geld hinterherzuwerfen? Welche Bedürfnisse und Nöte, ja Ängste treiben ihn an? Die Wirtschaft, politische und sich als religiös verstehende Gruppen kennen diese Bedürfnisse genau. Eben dadurch gelingt es ihnen, die Aufmerksamkeit in die schöne neue Pixelwelt zu locken und Menschen dort in Richtung Spontankauf, Onlinewette etc. "fernzusteuern".

Aber wer hilft dabei, die eigenen Bedürfnisse zu verstehen? Und: Wie findet man wieder zurück in die physische Realität? Braucht es heute Kurse für Einsteiger:innen in die analoge Welt? Ist die Rückkehr in das Hier und Jetzt vielleicht auch deshalb so schwer, weil die Orientierung auf eine Welt hinter der realen Welt ein altes Erbe ist, das nicht erst mit der Einführung der Mobiltelefonie, geschweige denn mit der Entwicklung der sozialen Medien begonnen hat? Schon in der Antike haben Philosophen, unter anderem die sogenannten "Neuplatoniker", die physische Welt und damit die Mit- und Umwelt verachtet und eine konsequente Orientierung auf eine geistige Welt hinter dem sichtbaren Sein propagiert. Das wirkt bis heute nach.

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