Radiogeschichten
Ein seltsamer Ballbesucher
"Sarrasine. Eine Szene aus dem Pariser Leben". Von Honoré de Balzac. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Es liest Rafael Schuchter.
4. August 2026, 11:05
Junger Bildhauer erblickt in Operndiva sein Ideal von Frau, verliebt sich und lässt trotz ausweichender Zurückhaltung des Liebesobjekts nicht von der berückend schönen Erscheinung ab - bis sich herausstellt, dass er es mit einem Mann zu tun hat. Das tragische Zusammentreffen von künstlerischem Machotum und unfreiwilliger Queerness. So flapsig könnte man Honoré de Balzacs Erzählung um den französischen Künstler "Sarrasine" und den italienischen Kastraten Zambinella mit heutigem Mindset zusammenfassen. Zwar lässt Balzac den Aggressor sterben, das Verständnis seiner Erzählerfigur für den glamourösen wie unglücklichen Zambinella hält sich aber in Grenzen. Ein Ballbesuch dieses Erzählers und seiner makellos weiblichen Begleitung bildet die Rahmenhandlung des 1830 in der "Revue de Paris" erschienenen Textes, der zu Balzacs über 90 Romane und Erzählungen umfassendem Monumentalwerk "Die menschliche Komödie" gehört. Zu hören ist ein Ausschnitt, in dem auf dem Ball der reichen und kultivierten Familie Lanty ein merkwürdiger Greis erscheint, den die Familie vor der Pariser Gesellschaft abzuschirmen trachtet. Auftritt: Zambinella als alter Mann.
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Honoré de Balzac, "Sarrasine. Eine Szene aus dem Pariser Leben", herausgegeben und
aus dem Französischen von Elisabeth Edl, Alexander Verlag Berlin, 2026
