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Gedanken für den Tag
Nahverkehr
von Martina Pippal, Kunsthistorikerin, Künstlerin und Autorin
8. August 2026, 06:57
In einem Nahverkehrszug, der an einem sonnigen Sonntagnachmittag durch den Wienerwald Richtung Wien-Westbahnhof rollt. Mit mir eingestiegen ist eine junge Familie: Vater, Mutter, Kind. Der Bub vielleicht fünf Jahre alt.
Vater und Mutter setzten sich - jenseits des Mittelgangs - auf die Fensterplätze, einander gegenüber. Der Bub rutscht auf die Bank neben seine Mutter.
Nach einiger Zeit sehe ich wieder hinüber. Die Eltern schauen einzeln auf ihre Handys. Kein Gespräch. Keine Mimik.
Der Bub ist an die Mutter herangerückt, lehnt sich an sie und schaut auf ihr Display.
Von der Mutter: kein Blick auf ihr Kind. Kein An-sich-Ziehen ihres Sohnes. Nur ein Geschehen-Lassen.
In der ersten Station nach der Stadtgrenze steigen wir alle aus.
Der Sohn läuft neben den schweigenden Eltern her. Spätestens in diesem Moment würde ich das Kind am liebsten bei seiner kleinen Hand nehmen, um es in eine Welt zu entführen, in der Eltern mit ihren Kindern reden, deren Nöte spüren, den Schrei der Einsamkeit hören.
Dieses Kind schreit nicht. Es schweigt.
In welchem Alter verlernt man, die eigenen Nöte zu fühlen? Und wann und wie erlernt man, auf vermeintlichen Trost zu hoffen - auf Trost, der erreichbar ist?
Worin bestünde der Placebotrost für diesen Buben? Liege ich falsch, wenn ich vermute: Er wünscht sich nichts mehr als ein eigenes Handy?
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Philip Glass geb.1937
Komponist/Komponistin: Foday Musa Suso geb.1950
Titel: THE SCREENS (Les Paravents) - Bühnenmusik zum gleichnamigen Schauspiel von Jean Genet
* 16. France / instr. (00:01:52)
Solist/Solistin: Benjamin Hudson
Solist/Solistin: Jerry Grossman
Solist/Solistin: Michael Parloff
Solist/Solistin: Martin Goldray
Solist/Solistin: Allen Blustine
Solist/Solistin: Rex Benincasa
Solist/Solistin: Foday Musa Suso
Leitung: Martin Goldray
Länge: 01:52 min
Label: POINT music 4329662
