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Gedanken für den Tag
Wenn ich nicht Kapitän sein darf
Christian Herret, Pressereferent der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, zum 100. Geburtstag von René Goscinny
12. August 2026, 06:57
In Goscinnys "Kleinem Nick" gibt es eine wunderbare Erzählung mit dem Titel "Das Fußballspiel". Die Buben wollen einfach nach der Schule kicken, doch bevor das Match überhaupt beginnt, verlieren sie sich in endlosen Diskussionen und Streitereien. "Wenn ich nicht Kapitän sein darf, dann ruf ich meinen Papa an, der steckt euch alle ins Gefängnis!", schreit der Sohn des Polizisten.
Er war es auch, der die Trillerpfeife mitgebracht hat, kann aber nicht gleichzeitig Schiedsrichter sein. Aber wer darf dann über die Pfeife bestimmen? Wer hat überhaupt ein Taschentuch dabei und kann somit den Linienrichter übernehmen?
Als der Anpfiff endlich erfolgt, bricht das Chaos aus. Alle hauen sich, Trikots zerreißen, es wird wild geschimpft. Bis dem Torwart einfällt, dass er den Fußball zu Hause vergessen hat. Das Spiel fällt aus, noch bevor auch nur ein einziger Pass gespielt wurde.
Goscinny parodiert in den Verhaltensweisen seiner kleinen Helden meisterhaft die Absurditäten unserer Erwachsenenwelt. Wer die jüngste Fußball-Weltmeisterschaft der Männer verfolgt hat, merkt schnell: Wir haben Goscinnys staubige Wiese nie verlassen.
Wenn ein Staatschef beim FIFA-Präsidenten interveniert, um eine rote Karte für den Stürmer seines Teams weg zu jammern; wenn Nationalspieler wegen politischer Feindschaften keine Visa erhalten oder gar ein Schiedsrichter nicht einreisen darf, weil er aus einem vermeintlich "nicht befreundeten" Land kommt - dann erleben wir dieselbe Dynamik. Einen verstockten, egoistischen Streit um Macht, Privilegien und Eitelkeiten auf dem Rücken des Spiels. Wir werden Zeugen infantiler Gesten: "Schau her, ich kann das machen, weil mir der Ball gehört."
Es gibt einen bitteren Unterschied: Die Kinder im "Kleinen Nick" begegnen sich auf Augenhöhe und haben beim Ausfechten ihrer Konflikte "großen Spaß". Im wilden Ausagieren wird Dampf abgelassen, es reinigt den Raum. Und wenn dann alle nach Hause gehen, bleibt der Streit dort, wo er hingehört - auf dem Platz.
Service
Anne Goscinny, "Das Klimpern der Schlüssel. Brief an meinen Vater", Verlag Diogenes 2026
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Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Frederic Talgorn
Gesamttitel: ASTERIX BEI DEN OLYMPISCHEN SPIELEN / Original Filmmusik
Titel: "Mais nous sommes Romains!"/instr.
Anderer Gesamttitel: ASTERIX AUX JEUX OLYMPIQUES / Original Filmmusik
Orchester: Philharmonia Orchestra of London
Leitung: Frederic Talgorn
Länge: 03:07 min
Label: Milan/Warner 3991902
