Opus - das Musikkolloquium
Das Ö1-Universum des Christian Scheib
Nach fast 40 Jahren verabschiedet sich Kollege Christian Scheib in die Pension. Eine dialogische Retrospektive auf ein Berufsleben, das von der Suche nach dem Neuen geprägt war - Neue Klänge, Neue Ideen, Neue Perspektiven.
15. August 2026, 15:05
Hört man in ältere Radiobeiträge von Kollegen hinein, kommt man nicht umhin, etwas zu schmunzeln - wie anders klingt noch die Stimme, wie anders der Duktus des Sprechens! Doch manches, stellt man fest, hat sich wohl schon in frühen Zeiten manifestiert. Das Handwerk eines Radiomachers etwa, das ihn die nächsten Jahre prägen sollte. Bei Kollege Christian Scheib begann es im Jahr 1987 mit einer Plattenpräsentation der "Pat Brothers" - einer österreichischen Formation zwischen Jazz und zeitgenössischer Avantgarde. Da war also der Grundstein gelegt.
Weil
: zeitgenössisch sollte es bleiben. Schon fünf Jahre nach seinem Debüt gründet Christian Scheib die legendäre Sendereihe "Zeit-Ton" - von da an gibt's Neue Musik täglich, fünf Tage die Woche um 23 Uhr. Drei Jahre später übernimmt er die Programmintendanz des musikprotokoll im steirischen herbst und macht es zu einer Plattform für avancierte Musik aus aller Welt. Von "American Iconoclasts" wie Alvin Lucier und Maryanne Amacher bis zu Kompositionsaufträgen an Olga Neuwirth, Rebecca Saunders oder Elisabeth Schimana.
2007 wird Christian Scheib Ö1-Musikchef und erfindet mit der "Spielräume Nachtausgabe", dem "Zeit-Ton extended" oder den "Jet Lag All Stars" Formate, die sich bis heute erhalten haben. Zwei Jahre später kommt die RSO-Intendanz dazu. Unter seiner Leitung entstehen über 100 "Orchesterminiaturen" - österreichische Komponierende schenken dem damals bedrohten RSO Wien Musik.
Darüber hinaus betreut er die Schwerpunktreihe "nebenan - Erkundungen in Europas Nachbarschaft", die von Georgien über Libanon bis zur Ukraine führt. Dazu kommen Spezialprojekte wie "100 Jahre Frauenwahlrecht", "Hundert Häuser" oder der virtuelle Rundgang durchs Wiener Funkhaus. Und nicht zuletzt erkundet er seit 2010 jeden Samstag gemeinsam mit Elke Tschaikner in "le week-end" die unendlichen Weiten der musikalischen Möglichkeiten.
Ob sich eine Retrospektive von all dem in einem zweistündigen "Opus-Musikkolloquium" ausgeht? Man wird sehen. Und hören.
