Zeit-Ton
20+ Jahre Institut für Medienarchäologie
Im interdimensionalen Raumzeitstrudel
30. August 2026, 20:01
Am 21. und 22. August feierte das Institut für Medienarchäologie mit "IMA 20+" sein "über zwanzigjähriges" Bestehen im AKW Zwentendorf. Seit seiner Gründung im Jahr 2005 durch die Komponistin und Medienkünstlerin Elisabeth Schimana leistet das IMA einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung und Reflexion "der Geschichte, Gegenwart und Zukunft elektronischer Kunst, akustischer Medien und digitaler Technologien", in Ausstellungen, Konzertveranstaltungen, Symposien und Buch- und DVD-Veröffentlichungen. Die Sichtbarmachung weiblicher Pionierinnen elektronischer Kunst ist dem IMA, das oftmals einen dezidiert feministischen Blickwinkel einnimmt, ein zentrales Anliegen.
Wie auch Siegfried Zielinski in seinem Buch "Archäologie der Medien. Zur Tiefenzeit des technischen Hörens und Sehens" möchte das IMA den linearen Pfad der Geschichtsschreibung verlassen, um den Zeitpfeil aus dem Jetzt heraus durch zurückliegende Ereignisse und Personen auf eine mögliche Zukunft zu richten, wie in der Selbstbeschreibung zu lesen steht. Die Geschichte der Medien wird als ein "rekursiver Prozess aus Vergessen, Wiederentdecken und Neubewertung" verstanden.
Das retrofuturistische Ambiente des nie in Betrieb genommenen Atomkraftwerkes Zwentendorf, ein Ort, "der wie kaum ein anderer für technologische Zukunftsutopien, gesellschaftliche Konflikte und historische Wendepunkte steht", bot dafür einen höchst inspirierenden Rahmen. Auf einer Fahrt mit einem fiktiven Forschungsschiff quer durch das AKW geriet das Publikum in einen interdimensionalen Raumzeitstrudel. Im Kühlraum konnte es "Jetsun Mila" von der im vergangenen Februar verstorbenen Komponistin Éliane Radigue als Konzertinstallation erleben. Für die beiden Konzertabende baute das Wiener Akusmonium in der Alten Werkstätte sein Lautsprecherorchester auf.
Mit dem so außergewöhnlichen Veranstaltungsort wollte das IMA auch auf die Katastrophe von Teschernobyl aufmerksam machen, die sich 2026 zum 40. Mal jährt. "Das Jubiläumsprojekt verbindet damit historische Erinnerung mit gegenwärtigen Debatten über Technologie, Energiepolitik, Verantwortung und Zukunftsentwürfe."
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IMA Institut für Medienarchäologie
