Radiokolleg
Wenn die Welt leiser wird (1)
Was geht verloren?
31. August 2026, 09:30
Hörverlust zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Alters. Und zu den am längsten verdrängten. Was oft als harmlose Begleiterscheinung des Älterwerdens gilt, kann das Demenzrisiko erhöhen, soziale Beziehungen verändern und Menschen schleichend aus dem gesellschaftlichen Leben drängen. Dennoch dauert es meist Jahre, bis Betroffene Unterstützung annehmen. Warum ist das so?
Derzeit ist in Österreich bereits knapp jede fünfte Person von Hörverlust betroffen. Bis 2050 könnte es bereits jede/r Vierte sein. Was oft als lästige Alterserscheinung abgetan wird, hat weitreichende Folgen: Gespräche werden anstrengender, soziale Kontakte seltener, das Gehirn verliert essenzielle Reize. Und: Unbehandelter Hörverlust gilt als einer der bedeutendsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz.
Die erste Folge beginnt mit einem Mann, der sein Leben lang vom Hören gelebt hat: ein ehemaliger Wiener Philharmoniker, der feinste Klangnuancen wahrnehmen konnte und dessen Gehör dennoch nach und nach verschwunden ist. Über Jahre wehrt er sich vehement gegen ein Hörgerät. Dieser Umgang mit dem Verlust führt ins Zentrum der Serie: Was geschieht, wenn die Welt leiser wird? Und warum fällt es vielen Menschen so schwer, das eigene schlechter werdende Hören anzuerkennen? Eine Wiener Neurologin und Demenzforscherin erklärt, was im Gehirn passiert, wenn akustische Reize fehlen und warum die Folgen weit über das Ohr hinausreichen.
Juliane Lehmayer
