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LongPlay
Maria Callas singt lyrische und Koloraturarien
Ein weiteres Juwel der Plattengeschichte: Im September 1954 nahm Maria Callas in London unter Tullio Serafin große Nummern des italienischen und französischen Repertoires von Rossini bis zum Verismo auf.
12. September 2026, 13:00
Natürlich: Dieser Klang ist und bleibt unverwechselbar. Aber vielleicht war es gar nicht die Stimme selbst, die Maria Callas zu etwas ganz Besonderem machte. Sondern eher die Intensität der Darstellung im und durch den Gesang, die Gefühlsintelligenz ihres Vortrags. Den Ausnahmerang dieser Künstlerin bezeugen jedenfalls ihre Aufnahmen, die in ihrer spontanen Frische, emotionalen Kraft und durchdachten Genauigkeit bis heute nicht verblasst sind.
Die relative Kürze der Laufbahn der Callas und ihr von Tragik umflortes Ende - sie starb 1977 mit 53 Jahren in Paris - können freilich nur jene zu verstehen beginnen, die sich die nahezu unfassbaren Häufungen und Gleichzeitigkeiten in ihrer künstlerischen Tätigkeit bewusst machen, die enorme Disziplin, die Risikofreude, ja letztlich das kühne Leugnen der gesunden vokalen Grenzen: alles im Dienste der Kunst.
"LongPlay" widmet sich diesmal einem der beiden großen Recitals, die Maria Callas im September 1954 in London mit dem Philharmonia Orchestra unter Tullio Serafin für EMI aufgenommen hat: Neben einer ganz Puccinis Sopranheldinnen gewidmeten Platte verewigte sie in ein und derselben Woche im Studio auch ihre Interpretationen großer Arien des italienischen und französischen Repertoires von Rossini bis hin zum Verismo.
Diese "Lyric and Coloratura Arias", wie die Sammlung genannt wurde, verlangen weit gespannte Pianophrasen, aber auch jugendlich-dramatische Expansion, brillante Beweglichkeit und Spitzentöne bis hinauf zum hohen E.
Wenn man bedenkt, dass die Callas in den Wochen zuvor in Mailand noch dazu sowohl die Leonora in Verdis "Forza del destino" als auch die Fiorilla in Rossinis "Turco in Italia" in Gesamtaufnahmen vor dem Mikrofon porträtiert hat, wirken ihre vokale Leistung und stilistische Wandlungsfähigkeit noch erstaunlicher.
Lyrische und Koloraturarien also: Diese Platte, so schreibt Michel Roubinet, "widersetzt sich völlig üblichem Programm-Verständnis und traditioneller Einteilung: Die Bandbreite reicht vom dunkel-dramatischen Register der sublimen, zutiefst elegischen 'Ebben? Ne andrò lontana' bis zum atemberaubenden vokalen Feuerwerk der Arien von Delibes und Verdi".
Service
"Lyric and Coloratura Arias"
Arien aus "Adriana Lecouvreur" (Cilea), "Andrea Chénier" (Giordano), "La Wally" (Catalani), "Mefistofele" (Boito), "Il Barbiere di Siviglia" (Rossini), "Dinorah" (Meyerbeer), "Lakmé" (Delibes), "I vespri siciliani" (Verdi) Maria Callas (Sopran), Philharmonia Orchestra, Tullio Serafin (Leitung) Warner
