Radiokolleg

Die Philosophin geht in die Oper (4)

Nixon in China - Minimalismus und Weltpolitik

Ein Flughafen bei Peking. Frühmorgendliches Vogelgezwitscher. Ein Chor aus einhundertzwanzig Soldaten marschiert auf den Plan und singt die Drei Hauptregeln und Acht Verhaltensregeln des Vorsitzenden Mao: "Himmlische Soldaten bewachen den Himmel, der Morgen bricht an und die Schatten verfliegen. Das Volk ist jetzt der Held." Der Komponist John Adams greift in seiner Oper Nixon in China über die erste Reise eines amerikanischen Präsidenten in die kommunistische Volksrepublik China das rigide Protokoll des Staatsbesuches als Libretto auf und reagiert mit musikalischem Minimalismus. Es folgen Handshakes, Mao scherzt kryptisch philosophisch, Austausch von Trinksprüchen auf Bruderschaft und Patriotismus, im Damenprogramm wird Mrs. Nixon mit einem gläsernen Elefanten beschenkt, Nixon selbst besucht ein Ballett, das von Maos Frau konzipiert wurde, Mao und Gattin tanzen. Mit seinem Besuch in China leitete Richard Nixons in einer Hochphase des Kalten Krieges 1972 eine Politik der Entspannung zwischen den USA und China ein - John Adams benützt in seiner 1986 uraufgeführten Oper das Wissen um die Watergate-Affäre, um Nixon als einen Protagonisten voller Unsicherheit und als Helden im Niedergang zu charakterisieren. Für Martha Nussbaum ist Nixon in China eine Oper, die "Verständnis für die Komplexität menschlicher Angelegenheiten aufbringt", ein Verständnis, das für die "Republik der Liebe" von wesentlicher Bedeutung ist.

Gestaltung: Erich Klein

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