Die Spiral-Galaxie ESO 499-G37

NASA/HUBBLE

Punkt eins

Faszination Supernova live vom ORF musikprotokoll

Über Rote Riesen, Weiße Zwerge, Sternenleben und den Staub, aus dem wir sind. Gast: Univ.-Prof. Dr. Arnold Hanslmeier, Professor für Astrophysik an der Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Physik. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Ein neuer Stern am Tageshimmel? Das gewaltigste Ereignis im Kosmos, so hell wie eine ganze Galaxie, energiereicher als ein ganzes Sonnenleben: Supernova-Explosionen, der Kollaps von Sternen, faszinieren Menschen seit Jahrtausenden. Sie sind ein wichtiger Entfernungsmesser in der Astronomie (Physiknobelpreis 2011), Quelle von hochenergetischen Neutrinos (Physiknobelpreis 2026) und auch von jenen Elementen, aus denen sich alles zusammensetzt. "Supernova" ist das Motto des ORF musikprotokolls 2026 in Graz, das Verbindungen zwischen Makro- und Mikrokosmos nachspürt. Aber was passiert bei einer Supernova, davor und danach, was bleibt, wenn ein Stern explodiert, wie wird unsere Sonne enden?

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hielt man das plötzliche Aufleuchten am Himmel für neue Sterne (Nova), eine andere Erklärung hatte man nicht. Heute weiß man, bei einer Supernova passiert das Gegenteil: Es ist das Ende eines massereichen Sterns, heller als hunderte Milliarden Sterne - und es lässt sich in Echtzeit beobachten. Bemerkenswert ist auch: Das "Sterben" eines Sterns dauert Millionen Jahre, sein Kollaps nur den Bruchteil einer Sekunde. Was bleibt übrig?

Von der Masse des Sterns hängt ab, was nach der Supernova übrigbleibt. Er kann völlig zerrissen werden oder es entsteht ein kompaktes Objekt aus dem Überrest des Kernkollapses. Bei leichteren Sternen bildet sich ein Neutronenstern, bei schwereren ein Schwarzes Loch. Das ausgeworfene Material bildet einen Sternennebel und die Elemente, die der "Fusionsreaktor" Stern "erbrütet" hat, werden ins Weltall geschleudert, wo sie für die Entstehung weiterer Planeten und Sterne maßgeblich sind. Der soeben mit dem Physiknobelpreis ausgezeichnete Astrophysiker Francis Halzen aus Belgien konnte mit seinem Team in einem speziellen Eisteleskop hochenergetische Neutrinos aus dem Weltall einfangen, die unter anderem bei Supernova-Explosionen entstanden sind.

Im nahenden Winter wird am Himmel der vielleicht berühmteste Überrest einer Supernova sichtbar, der Krebsnebel, dessen zentraler Stern vor einem Jahrtausend explodierte und als Supernova ab dem 4. Juli 1054 von chinesischen und japanischen Astronomen beobachtet wurde. Der "neue" Stern leuchtete drei Wochen lang tagsüber am Himmel. Am 11. November 1572 fand der dänische Astronom Tycho Brahe diese Supernova und führte den Begriff Nova ein, er hielt das Aufleuchten für einen neuen Stern.

Supernova-Explosionen spielen in der Astronomie auch als so genannte Standardkerzen eine zentrale Rolle, sie dienen sozusagen als Entfernungsmesser. Auf diesem Wege wurde nachgewiesen, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt, wofür es vor 15 Jahren, 2011, den Physiknobelpreis gab.

"Heute erfassen automatisch gesteuerte Teleskope, die Nacht für Nacht tausende von Galaxien beobachten und mit KI-Programmen durchsuchen, selbstständig, ob eine Supernova aufleuchtet", sagt der Astrophysiker Arnold Hanslmeier von der Universität Graz. Doch nicht einem Programm, sondern seinem geübten Auge war es zu verdanken, dass ihm vor fünf Jahren in seiner Privatsternwarte ein international Aufsehen erregendes Foto gelang: Die Dokumentation einer heftigen Nova im Sternbild Schlangenträger, einem Doppelsternsystem aus einem Weißen Zwerg und einem Roten Riesen. Eine Nova kann ein Stern mehrmals durchlaufen, eine Supernova "überlebt" er nicht.

Was wissen wir über die "Lebenszyklen" von Sternen? Welches Schicksal erwartet unsere Sonne? Welche Bedeutung kommt der Künstlichen Intelligenz in der Astrophysik heute zu und welche Verbindung besteht zwischen Astrophysik und Kunst, Mikrokosmos und Makrokosmos?

Arnold Hanslmeier, dem es seit jeher ein großes Anliegen ist, die Faszination des Universums zu vermitteln, was er in zahlreichen Büchern und Vorträgen tut, nimmt im Festivalzentrum des ORF musikprotokolls, dem Volkskundemuseum in Graz, Platz und spricht mit dem Publikum dort (Eintritt frei) und unseren Hörerinnen und Hörern via Telefon unter 0800 22 69 79 und Mail an punkteins(at)orf.at über Supernovae, ihre Beobachtung und Erforschung.

Service

Arnold Hanslmeier: Sonne, Mond und Sterne - Der Himmel über Mitteleuropa. Vehling Verlag, 2026

ORF musikprotokoll 2026: Supernova
3.-11.10.2026, Graz

Donnerstag eröffnet die Ausstellung Supernova im Volkskundemuseum in Graz, Paulustorgasse 11.

Am Donnerstag wird Elisabeth Schimanas Stück "In die Sonne" präsentiert. Arnold Hanslmeiers Buch "Die Sonne - der Stern, von dem wir leben" war Inspiration für das Stück.

Vier Mal können Sie im Rahmen des ORF musikprotokolls Ö1 Radio in Graz live erleben:

Fr. 9.10.2026, 13:00 - 14:00
Arnold Hanslmeier & Barbara Zeithammer
Volkskundemuseum
Ö1 mit Publikum
Eintritt frei

Ö1 Kulturjournal Spezial
Fr. 9.10.2026, 17:00 - 18:00
Wolfgang Popp, Anna Soucek
Helmut List Halle - Foyer
Ö1 mit Publikum
Eintritt frei

Ö1 Klassik-Treffpunkt
Sa. 10.10.2026, 10:00 - 11:30
Beat Furrer, Elke Tschaikner, ...
Volkskundemuseum
Ö1 mit Publikum
Eintritt frei

Ö1 Im Gespräch
So. 11.10.2026, 13:00 - 14:00
Maria Kalesnikava, Marlene Nowotny
MUMUTH
Ö1 mit Publikum
Eintritt frei

Sendereihe

Gestaltung